Vorbereitung auf den Tod eines geliebten Menschen

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Diese Ratschläge stammen aus einer Unterweisung die gegeben wurde, nach dem die Mutter eines Schülers gestorben war.

In den Wochen oder Monaten vor dem Tod kannst Du bereits vieles für jene tun, die Dir am Herzen liegen:

  • Drücke Deine positiven Gefühle für die jeweils Betroffenen auch ihnen gegenüber aus. Sag ihnen, dass Du sie liebst (schreibe einen Brief, wenn Du nicht mit ihnen direkt sprechen kannst). Warte nicht, bis sie nicht mehr da sind, um Deine Liebe zu entdecken und auszudrücken.
  • Ermutige sie, ihre Liebe und Freundlichkeit mit anderen zu teilen. Hilf ihnen, sich an all die Liebe und Freundlichkeit zu erinnern, die sie während ihres Lebens gegeben und empfangen haben.
  • Ermutige sie, sich an die guten Dinge zu erinnern, die sie im Leben getan haben.
  • Wenn sie Bedauern ausdrücken, höre freundlich zu.
  • Ermutige sie, all denen zu vergeben, denen sie zu vergeben haben und sich bei all denen zu entschuldigen, bei denen eine Entschuldigung angebracht ist.
  • Ermutige Familienmitglieder, freundliche Dinge zu tun, um dem sterbenden Familienmitglied zu helfen.
  • Sprich über die letzten Dinge des Lebens—die Patientenverfügung, Medikamente, religiöse Dienste, Beerdigung oder Kremierung usw. falls sie willens sind, sich damit auseinanderzusetzen. Lass Deine eigene Agenda los, worüber sie mit Dir reden sollten oder auf welche Art Du sie sterben lassen möchtest. Höre ihnen mit dem Herzen zu. Rede über das, worüber sie reden möchten, nicht über das, an was sie Deiner Ansicht nach denken sollten.
  • Lass die Person Dir sagen, wie viele (wenn überhaupt) Schmerzmittel sie benötigen. Da die Person stirbt, gibt es keinen Grund, über Abhängigkeit besorgt zu sein. Auf der anderen Seite vermeide, sie mehr als nötig zu betäuben.
  • Komm in Berührung mit Deinen eigenen Themen über das Sterben und nutze Deine Dharmapraxis um Dir zu helfen, mit ihnen arbeiten.

Zur Zeit des Todes

  • Mache den Raum so ruhig und friedvoll wie möglich.
  • Sei friedlich und ruhig. Vermeide, in dem Raum zu weinen.
  • Gib ihnen im Geiste eine herzliche Umarmung und lass sie von Deiner Liebe ihnen gegenüber wissen, aber hafte nicht an oder ermutige sie zum Anhaften.
  • Wenn es nötig erscheint, erinnere sie, dass ihre Kinder und der Rest der Familie damit zurecht kommen werden, wenn sie dahingeschieden sind.
  • Wenn die Person einen anderen Glauben hat, sprich in der Sprache dieses Glaubens mit ihnen, nutze Worte, Symbole und Konzepte, die ihnen vertraut sind. Ermutige sie, Vertrauen zu haben und ein freundliches Herz anderen gegenüber zu entwickeln. Wenn sie nicht religiös sind, sprich über Mitgefühl oder liebende Güte. Das wird ihrem Geist helfen, ruhig und friedvoll zu sein.
  • Rezitiere Mantren oder sprich Gebete für sie, still oder laut, abhängig davon, was angemessen erscheint, da sie sterben.
  • Tue nichts, was Kummer (z.B. alte Verletzungen) hervorbringen könnte.
  • Gelegentlich wird die Person, die im Sterben liegt, warten, bis Familienmitglieder den Raum verlassen oder sie entweder alleine sind oder mit jemandem, der kein Familienmitglied ist. Denke nicht, dass Du etwas “falsch gemacht” oder sie verlassen hättest, wenn sie in dem Moment sterben während Du nicht da bist.
  • Erinnere Dich: Du kannst nicht verhindern, dass jemand stirbt.
  • Vertraue ihnen in ihrem Prozess und sei unterstützend.
  • Sage den umgebenden Familienmitgliedern, dass ihr sie gerne habt (liebt). Danke ihnen.

Nach dem Tod

  • Wenn es möglich ist, erlaube dem Körper, drei Tage, nachdem der Atem aufgehört hat, unberührt zu bleiben, damit das Bewusstsein Zeit hat, den Körper zu verlassen. Dies muss normalerweise vorher mit dem Krankenhaus oder der Familie arrangiert werden. Berühre den Körper während dieser Zeit nicht. Wenn der Körper beginnt, zu riechen oder wenn Du Flüssigkeit aus der Nase kommen siehst, zeigt dies an, dass das Bewusstsein den Körper verlassen hat und bewegt werden darf, bevor die drei Tage vergangen sind. Wenn es nicht möglich ist, den Körper solange (oft ist es nicht so lange) unberührt zu lassen, dann lass ihn so lange als möglich unberührt. Wenn Du ihn das erste Mal berührst, berühre ihn an der Krone des Kopfes.
  • Nachdem die Person gestorben ist, berühre zuerst die Krone (den oberen Teil) des Kopfes und sage “Geh ins Reine Land“ oder „Nimm eine wertvolle Wiedergeburt als Mensch“. Oder, ihrem Glauben entsprechend, sage “Geh in den Himmel oder an einen sicheren Ort”.
  • Sprich eine Widmung für sie, damit sie eine wertvolle menschliche Wiedergeburt erleben: “Mögen sie alle und jede hilfreichen Umstände erleben, um all das zu praktizieren, was sie für ihre Erleuchtung benötigen.” Bete, dass ihr Übergang ins nächste Leben angst- und sorgenfrei ist. Drücke all die guten Wünsche, die Du für sie hast, in deinen Worten oder Gedanken aus.

Meditation und Gebete, die man nach dem Tode eines geliebten Menschen vornehmen kann

Der Altar der Abtei, vorbereitet für die Medizin-Buddha-Puja.

Es ist sehr gut, für die Verstorbenen zu beten und zu meditieren.

Nachdem ein lieber Mensch gestorben ist, ist es sehr verdienstvoll für jene, die ihm/ihr nahe standen, Gebete und Meditationen für diese Person vorzunehmen. Diese werden an anderer Stelle beschrieben. Es ist außerdem hilfreich, seinen/ihren Besitz an die Armen und Bedürftigen zu geben und Opfergaben an Tempel, Klöster oder Dharmazentren zu spenden. Du kannst die Menschen dort bitten, Meditationen und Gebete für die Person abzuhalten.

Führe die Chenrezig Praxis aus. Visualisiere den lieben Menschen vor Dir, mit Chenrezig auf seinem Kopf. Während Du das Mantra rezitierst, visualisiere viel Licht und Nektar, der von Chenrezig in sie hinein fließt und alle Verunreinigungen, Negativitäten, (jeden) Kummer, verstörende Einstellungen, negative Gefühle, Angst etc. bereinigt und alle erleuchteten Qualitäten—Liebe, Mitgefühl, Großzügigkeit, Weisheit etc. hervorbringt. Wenn Du es vorziehst, diese Meditation auf den Buddha auszuführen, dann geh zu „Meditation auf den Buddha“.

Am Ende widme (Deine Praxis) dem Wohlergehen und der Erleuchtung aller
fühlenden Wesen und bete besonders:

Möge [Name] ein kostbares menschliches Leben erlangen. Möge er/sie voll qualifizierte spirituelle Mahayana-Lehrertreffen, alle hilfreichen Umstände zum Praktizieren haben, die drei prinzipiellen Aspekte des Pfades realisieren (das Bestreben, frei zu sein, die altruistische Intention und die Weisheit, Leerheit zu erkennen) und schnell ein Buddha werden. Durch meine Dharmapraxis möge ich dieser Person nützen und ihn/sie auf dem Pfad zur Erleuchtung leiten. Indem meine Praxis stärker und reiner wird, möge ich in der Lage sein, in zukünftigen Leben diese Person den Dharma zu lehren.

Wenn Du es wünschst, kannst Du außerdem “Das außerordentliche Streben des Samantabhadra” für die Person rezitieren. Die Praxis des Medizin-Buddha kann auch angewendet werden.

Da Familie und Freunde eine enge Verbindung mit dem/der Verstorbenen haben,
ist es wichtig, dass sie Meditation und Widmungen vornehmen. Wenn Du diese
am siebten, vierzehnten, einundzwanzigsten, achtundzwanzigsten, fünfunddreissigsten, zweiundvierzigsten und neunundvierzigsten Tage nach dem Dahinscheiden vornehmen kannst, ist es besonders gut.

Englische Version

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