Einführung

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In dem Heft Vorbereitung auf die Ordination findet sich eine Reihe von Artikeln, zusammengestellt von der Ehrenwerten Thubten Chodron, die zur kostenlosen Verteilung gedacht sind.

Dieses Heft hat sich nun schon seit vielen Jahren langsam entwickelt, seitdem führende westliche Ordinierte sich Gedanken um die Vorbereitung und das Training der westlichen Gemeinschaft (Sangha) machen. Während des 3-wöchigen Vinaya-Weiterbildungsprogram des Life as a Western Buddhist Nun im Februar 1996 in Bodhgaya nahm dieser Gedanke Gestalt an. Westliche führende Nonnen beschlossen, ein kleines Heft herauszubringen, das sich an Westler richtet, welche eine monastische Ordination erwägen. Auf der nach dem Programm Life as a Western Buddhist Nun folgenden Nonnen-Audienz mit Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama haben wir vorgeschlagen, dass westliche Ordinierte mehr beim Auswahlverfahren und bei der Vorbereitung von Bewerbern für eine Ordination beteiligt sein sollten. Seine Heiligkeit reagierte mit Begeisterung. Dieses Heft ist ein erster Schritt in diese Richtung. Ich bot mich an, das Heft zu editieren und vorzubereiten und sammelte Artikel von anderen Mönchen und Nonnen und einem Laien. Dieses Heft wurde durch Spenden an Life as a Western Buddhist Nun finanziert und steht zur freien Verbreitung für alle Interessenten zur Verfügung.

Es ist eine Zusammenstellung von Gedanken verschiedener westlicher Ordinierter in der tibetisch-buddhistischen Tradition und von einigen asiatischen spirituellen Meistern. Über die Jahre hinweg haben wir westliche Mönche und Nonnen das monastische Leben durch unsere Erfahrungen und durch das Studium mit unseren gütigen und weisen spirituellen Meistern kennengelernt. Wir fühlen eine Verantwortung, unsere Erfahrungen zu teilen, so dass andere davon profitieren können und einige von den Fehlern, die wir gemacht haben, vermeiden können. Wir setzen damit keine Richtlinie, der jeder folgen muss. Innerhalb des Buddhismus haben die verschiedenen Traditionen unterschiedliche Wege, die Gelübde zu interpretieren und zu halten. Sogar innerhalb ein und derselben Tradition kann die monastische Disziplin vom einem Kloster zum anderen oder von einem Lehrer zum anderen unterschiedlich gelebt werden. Wir streben nicht nach strenger Uniformität. Obwohl die Schüler Buddhas die gleiche Zuflucht haben, haben sie unterschiedliche Neigungen und Veranlagungen.

Weil der Buddhismus neu im Westen ist, ist das Wissen der Menschen hier allerdings begrenzt und unsere tibetischen Lehrer sind nicht immer mit den Feinheiten unserer Kulturen oder unser speziell westlichen Mentalität und unseren Werten vertraut. Weil wir über Kulturen hinweg zusammenarbeiten, müssen wir achtsam sein, wenn wir den Buddhismus im Allgmeinen und das Ordensleben im Spezifischen im Westen einbringen möchten. Manchmal haben tibetische Lehrer und westliche Schüler falsche Vorstellungen und Vermutungen oder einfach nur einen Mangel an Wissen über einander. Solange wir das nicht geklärt und gelöst haben, kann das zu vielen Schwierigkeiten und Verwirrungen führen, wenn sich Westler ordinieren lassen. Wir hoffen, dass dieses Heft solche Probleme vermeiden helfen wird und es Menschen ermöglicht, eine stabile Grundlage zu schaffen, so dass ihr Leben als Ordinierte/r freudvoll, bedeutungsvoll und produktiv sein wird.

In den buddhistischen Unterweisungen wird das Ideal (das Ziel der spirituellen Entwicklungen) erklärt, so dass wir wissen, in welche Richtung wir uns zu entwickeln und wonach wir zu streben haben. So ist es auch in diesem Heft. Wir kennen also das Ideal, die strikte Auslegung. Danach versuchen wir unsere Praxis auszurichten, doch manchmal müssen wir von einer strikten Sichtweise absehen, je nachdem unter welchen Umständen wir uns befinden. Für den Fall solcher Situationen sind wir für weise Entscheidungen besser ausgestattet, wenn wir das Ideal kennen, als wenn wir aus Unwissenheit Einstellungen und Verhaltensweisen, die von Ordinierten erwartet werden, neu auslegen, ohne die traditionelle Sichtweise zu kennen.
Das monastische Leben existiert seit der Zeit Buddhas bis heute ohne Unterbrechung und unzählbar viele Menschen haben sich auf dieser Grundlage auf dem Pfad zur Befreiung und zur Erleuchtung weiterentwickelt. Es ist sehr wichtig für einzelne Praktizierende, für die buddhistische Gemeinschaft und für die Gesellschaft als Ganzes, dass das monastische Leben in seiner reinen Form weitergeführt wird. Damit das umgesetzt werden kann, müssen Anwärter vor der Ordination gut vorbereitet und danach auch gut trainiert werden. Auf diese Weise werden der Dharma und der Vinaya in unserem Geist gedeihen, und dadurch werden wir in der Lage sein, anderen zu nützen.

Mehr und mehr Sanskrit-Wörter, ohne diakritische Zeichen geschrieben, sind in den gewöhnlichen englischen Sprachgebrauch übernommen worden. Da dieses Heft für buddhistische Praktizierende geschrieben wurde, die nicht notwendigerweise wissenschaftliche Gelehrte sind, folgen die Sanskrit-Wörter diesem Trend. Ein Glossar befindet sich am Ende des Heftes. Außerdem wurde das Wort „Sangha“ in Großbuchstaben geschrieben, wenn es im Bezug zu den Drei Juwelen der Zuflucht steht, und es wurde nicht in Großbuchstaben geschrieben, wenn es im Kontext der monastischen Gemeinschaft steht. Wenn man Zuflucht zu den Drei Juwelen nimmt, bezieht sich Sangha auf jede Person, ordiniert oder nicht, die den Pfad des Sehens erreicht hat. Die monastische Gemeinschaft oder Sangha ist ein konventioneller Repräsentant dieser ultimativen Sangha.

Dieses Heft wurde durch die Freundlichkeit vieler Menschen ermöglicht. Ich bin besonders dem Buddha und der Traditionen der Ordinierten, die den Vinaya und die Pratimoksa-Ordination seit über 2500 Jahren erhalten haben, dankbar. Damit haben sie ermöglicht, dass der Dharma und der Vinaya die Herzen so vieler Menschen im Laufe der Geschichte in Asien und jetzt im Westen berührt hat. Vielen Dank an all die Unterstützer und den Sponsoren dieser Publikation. Ich danke auch Bhikshuni Lekshe Tsomo für ihre wertvollen editorischen Vorschläge, Daria Fand für die Gestaltung des Heftumschlages, den Nonnen von Life as a Western Buddhist Nun für ihre Inspirationen, Bets Greer für ihre technische Unterstützung und Dharma Friendship Foundation in Seattle für ihre Unterstützung, während ich an diesem Heft gearbeitet habe.

Wir begrüßen Ihre Vorschläge für dieses Heft und heißen weitere Artikel, die in zukünftigen Ausgaben eingebracht werden können, willkommen.

(Übersetzung: Thubten Jampa)

Englische Version: Introduction

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