Die Sramanera / Sramanerika Gelübde

Print Friendly, PDF & Email

In dem Heft Vorbereitung auf die Ordination findet sich eine Reihe von Artikeln, zusammengestellt von der Ehrenwerten Thubten Chodron, die zur kostenlosen Verteilung gedacht sind.

Die zehn Ethikregeln

Das Gelübde besteht aus 10 Ethikregeln des/der Sramanera / Sramanerika (Novize / Novizin), die auch etwas ausführlicher als 36 Regeln aufgeführt werden können. Diese zehn bedeuten, sich von folgenden Handlungen abzuwenden:

  1. Töten (Um diese Regel in ihrem Kern zu brechen, muss man ein menschliches Wesen mit 
 Absicht töten.);

  2. Nehmen, was einem nicht gegeben wurde (stehlen). (Um diese Regel im Kern zu brechen, 
 muss man etwas stehlen was in der Gesellschaft zu rechtlichen Konsequenzen führt.);

  3. Geschlechtsverkehr (Um diese Regel in ihrem Kern zu brechen, muss man die Absicht 
 besitzen und einen tatsächlichen Orgasmus erfahren. Das betrifft sowohl heterosexuelle als 
 auch homosexuelle Kontakte.);

  4. Lügen (Um diese Regel in ihrem Kern zu brechen, muss man bezüglich seiner spirituellen 
 Realisationen lügen.);

  5. Einnahme von Rauschmitteln (Dies beinhaltet Alkohol und andere Suchtmittel.);

  6. Singen, Tanzen, Musizieren;

  7. Tragen von Parfüm, Schmuck oder Kosmetik um den Körper zu verschönern;

  8. Auf hohen oder teuren Sitz- oder Schlafgelegenheiten Platz zu nehmen;

  9. Essen nach Mittag;

  10. Umgang mit Gold, Silber oder wertvollen Objekten (einschließlich Geld).

Die Regeln 1-4 sind sogenannte Wurzelregeln und betreffen Handlungen, die von Natur aus negativ sind. Die Regeln 6-10 sind Nebenregeln. Sie betreffen Handlungen welche auf Grund einer Regel, die Buddha selbst festgelegt hat, zu vermeiden sind.

Die 36 Ethikregeln

Man sollte vermeiden:

  1. Einen Menschen zu töten;

  2. Tiere oder Insekten zu töten;

  3. Aus egoistischen Gründen eine Handlung zu begehen, bei der ein Tier oder ein Insekt getötet werden könnte und diesbezüglich gleichgültig sein; zum Beispiel, Wasser zu benutzen in dem 
es Insekten gibt ohne dieses zu filtern; ein Loch in die Erde zu graben ohne darüber 
nachzudenken, dass dadurch Lebewesen getötet werden könnten; Rasen zu mähen; ein Tier 
so zu überlasten das es stirbt;

  4. Während man etwas für andere tut eine Handlung durchzuführen welche ein Tier oder ein 
Insekt töten könnte und demgegenüber gleichgültig zu sein zum Beispiel Wasser in dem 
Insekten leben an einen trockenen Ort zu schütten;

  5. Geschlechtsverkehr;

  6. Stehlen, nehmen, was einem nicht gegeben wurde. Dies beinhaltet auch, Dinge auszuleihen 
und diese nicht zurückzugeben, Gebühren und Steuern nicht zu bezahlen, zu denen man 
verpflichtet ist;

  7. Lügen in dem man behauptet spirituelle Erkenntnisse zu haben oder Fähigkeiten zu besitzen, 
die man nicht hat;

  8. Einen unschuldigen Bhikshu oder eine unschuldige Bhikshuni zu beschuldigen, er / sie habe 
eines der vier Wurzelgelübde (parajika) verletzt, obwohl er / sie das gar nicht getan hat;

  9. Einem unschuldigen Bhikshu oder einer unschuldigen Bhikshuni zu unterstellen, er / sie hätte 
gegen eines der vier Wurzelgelübde verstoßen, wenn er / sie das gar nicht getan hat;

  10. Die Sangha-Gemeinschaft durch unwahre Verleumdung oder durch Parteiergreifen in einem 
Streit zu entzweien;

  11. Jemanden zu unterstützen, der innerhalb der Sangha Gemeinschaft Entzweiung verursacht 
oder der in einem Streit Partei für jemanden ergreift;

  12. Handlungen zu begehen, die das Vertrauen der Laienpraktizierenden in die Sangha 
zerstören; zum Beispiel sich unwahrheitsgemäß gegenüber Laienpraktizierenden darüber zu 
beschweren, dass die Sangha einen unfair behandelt hat.

  13. Anderen Lügen zu erzählen.

  14. Den Verantwortlichen im Kloster zu kritisieren, nahestehende Menschen mehr zu geben, 
anstatt mit allen zu teilen, wenn dies nicht der Fall ist.

  15. Den Verantwortlichen im Kloster direkt zu kritisieren oder ihm indirekt zu unterstellen, dass er den anderen Mönchen oder Nonnen nicht den gleichen Anteil an Essen oder anderen Dingen gibt, welchen er für sich selbst beansprucht, wenn das gar nicht der Fall ist.

  16. Zu behaupten, ein Mönch oder eine Nonne hätte eine Unterweisung als Gegenleistung für ein 
bisschen zu Essen gegeben, wenn dies nicht der Fall ist.

  17. Einen Bhikshu oder eine Bhikshuni zu kritisieren in dem man behauptet, dass er oder sie 
gegen ein Gelübde der zweiten Gruppe (sanghavasesa) verstoßen hat, wenn dies nicht der 
Fall ist.

  18. Das Training aufzugeben, in dem man zum Beispiel den guten Rat einer Nonne oder eines 
Mönches ablehnt oder in dem man das Pratimoksha Sutra kritisiert.

  19. Das Gemüse mit Reis abzudecken; den Reis mit Gemüse abzudecken.

  20. Rauschmittel zu nehmen.

  21. Selbstanhaftend oder ohne Sinn und Verstand zu singen.

  22. Selbstanhaftend oder ohne Sinn und Verstand zu tanzen.

  23. Selbstanhaftend oder ohne Sinn und Verstand zu musizieren.

  24. Schmuck zu tragen.

  25. Kosmetik zu benutzen.

  26. Parfüm zu benutzen.

  27. Die Gebetskette wie Juwelen zu tragen; Blumenkränze zu tragen.

  28. Auf einem luxuriösen Thron zu sitzen.

  29. Auf einem luxuriösen Bett zu sitzen.

  30. Auf einem hohen Thron zu sitzen.

  31. Auf einem hohen Bett zu sitzen.

  32. Nach 12 Uhr mittags zu Essen (Ausnahmen: Wenn man krank ist, wenn man auf Reisen ist 
oder wenn man nicht richtig meditieren kann ohne Essen).

  33. Den Umgang mit Gold, Silber oder wertvollen Juwelen (einschließlich Geld).

  34. Kleidung von Laienpraktizierenden und Schmuck zu tragen; seine Haare lang wachsen zu lassen.

  35. Nicht die Robe eines Buddhistischen Mönches / einer buddhistischen Nonne zu tragen.

  36. Den Rat seines Ordinationsmeisters zu missachten oder nicht zu befolgen. (Gelübde 34-36 
werden als die drei degenerierenden Handlungen bezeichnet).

Fünf förderliche Bedingungen um seine Gelübde einzuhalten

  1. Äußerliche Voraussetzungen: Kultiviere eine Beziehung mit einem spirituellen Mentor, der ein Beispiel an ethischer Disziplin ist und der das Vinaya gut kennt und verlasse dich auf seine / ihre Unterweisung.

  2. Innerliche Voraussetzungen: Entwickle Achtsamkeit und nach innen gerichtete Wachsamkeit 
mit einer reinen Motivation.

  3. Kenne die Handlungen, denen man sich enthalten sollte.

  4. Nimm an einer sojung Zeremonie teil um die Ethikregeln rein zu halten und sie 
 wiederherzustellen.

  5. Vertraue auf förderliche Umstände (Unterkunft, Kleidung, Essen, Medizin, etc.)

Die zehn Gelübde erklärt durch Thich Nhat Hanh

  1. Töte keine lebenden Wesen (dazu zählen alle Kreaturen, die sich bewegen und atmen). Habe 
Mitgefühl und liebe alle Wesen, so wie eine Mutter ihre Kinder liebt. Töte nicht und fordere 
auch niemanden anderen auf zu töten. Iss kein Fleisch von getöteten Tieren. Wenn du von 
Ungeduld überwältigt wirst dann praktiziere Achtsamkeit, und sage nicht: „Es wäre besser 
wenn er tot wäre!“ und wünsche dir auch nicht insgeheim den Tod eines anderen. Betrachte 
alle Wesen als deinen Kern, deine Eltern, deine Kinder, oder als dich selbst. Umarme sie alle 
in deinem Herzen mit Liebe und wünsche ihnen allen die Befreiung vom Leid.

  2. Stiehl nicht einmal eine kleine Menge an Geld oder Dinge mit wenig Wert wie Heu, Wolle 
oder Getreide. Nimm nichts, dass der rechtmäßige Besitzer dir nicht gegeben hat. Sprich und 
denke nicht zu viel über das Kaufen von Dingen. Lass dich nicht ablenken von schönen 
Formen, Klängen, Gerüchen oder Geschmäcken, so dass du das Gefühl entwickelst, du 
müsstest diese haben. Begehre nicht nach Kleidung. Schütze die sechs Sinne.

  3. Halte dein Herz und deinen Körper rein. Sprich und denke nicht in einer Art über sexuelles 
Verhalten, dass dein sexuelles Verlangen nährt. Wenn dein Geist an nichts hängt, ist er frei 
wie unendlicher Raum und kennt keine Hindernisse. Sei achtsam mit deinen sechs Sinnen. 
Dein Körper besteht aus den vier großen Elementen: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Dein 
Körper bist nicht du und er verändert sich ständig. Es ist besser, deinen Geist und dein Herz vor Anhaftung zu bewahren.

  4. Sprich nur nachdem du nachgedacht hast. Verbreite keine Neuigkeiten, die du nicht selbst mit 
deinen eigenen Augen gesehen hast oder die du mit deinen eigenen Ohren gehört hast. 
Erfinde keine Geschichten und unterstütze auch andere nicht dies zu tun. Diskutiere nicht 
über Politik und die Situation in der Welt. Widme dich dem Studium der Ethikregeln und des 
achtsamen Verhaltens. Die wichtigste Sache ist, die Befreiung vom Leid zu erreichen. 
Verschwende deine Energie nicht, indem du über weniger wichtige Dinge sprichst.

  5. Mönche und Nonnen ist es nicht erlaubt, jegliche Art von alkoholischen Getränken oder 
andere Rauschmittel zu sich nehmen. Wein zerstört die Tugendhaftigkeit, die Familie, unsere 
Gesundheit und unser Leben. Jemand der unter Einfluss von Alkohol- oder Drogen steht hat 
nicht die Klarheit des Geistes um zu meditieren und Achtsamkeit zu praktizieren. Wenn wir 
weiter trinken und Drogen zu uns nehmen, bleiben wir an den samsarischen Kreislauf 
gebunden.

  6. Schmücke dich nicht mit Blumenkränzen, Parfüm, Juwelen, luxuriöser oder farbenfroher 
Kleidung und reizvollen Accessoires. Die Kleidung sollte einfach und in dunklen Farben 
gehalten sein. Sei bescheiden und gehe mit leicht gesenktem Kopf. Statt über Parfüm und 
Schmuck nachzudenken, übe ungesunde, geistige Begleiterscheinungen zu transformieren 
und sei eifrig darin, durch die Unterweisung die Wahrheit zu erkennen um anderen 
Lebewesen Freude zu bringen.

  7. Novizen dürfen nicht auf hohen mit Gold und Silber verzierten oder mit kostbaren Stoffen 
bezogenen Sitzen Platz nehmen. Begehre nicht solchen Luxus, sprich nicht darüber und bemühe dich auch nicht, ihn zu erwerben. Gebrauche keine eleganten Matten, bemalte 
Fächer, Armbänder oder Ringe. Die Befreiung vom Leiden ist wichtiger als diese Dinge. Du 
solltest den Pfad der Erkenntnis praktizieren, gewissenhaft in der Meditation sein, an Stabilität 
wachsen und lernen loszulassen.

  8. Lass dich nicht mitreißen, Musik zu hören und dem Tanz zuzuschauen. Dein Körper sollte 
dem Dharma dienen und nicht für Vergnügungen der Sinne benutzt werden. Verwende 
Musik, um Buddha zu ehren und singe Sutras. Pflege eine gesunde Freude die dich nicht in 
der Welt versunken sein lässt. Das Lesen von Sutras und die Meditation über deren tiefe 
Bedeutung sind ein großes Vergnügen. Fahre nicht unnötig Auto. Befreie dich von Anhaftung 
und konzentriere dich auf die vollkommene Freiheit und die Methode, welche dich von der 
Angst vor Vergänglichkeit befreien wird.

  9. Häufe nicht Geld oder kostbare Dinge an und sprich auch nicht mit Verlangen darüber. Du 
bist aufgebrochen auf dem Weg zu perfekter Reinheit. Der Dharma ist dein wertvollster 
Schatz und deine tägliche Aufgabe ist es, seine Bedeutung immer tiefer zu verstehen. Loszulassen wird dich von schlechtem Befinden befreien. Die Übung des Loslassens ist 
etwas, dass du dein ganzes Leben lang tun kannst. Wenn du diese Übung genießt, wird es 
alle Hindernisse beseitigen.

  10. Iss nicht zu viel. Iss nicht und lade nicht andere zum Essen ein, wenn die Gemeinschaft nicht 
isst. Iss nicht nur, weil das Essen gut aussieht. Nimm Essen zu dir, das dich gesund hält. Die 
Freude der Meditation ist eine wichtige spirituelle Nahrung.

Englische Version: The sramanera/sramanerika precepts

Find more on these topics: , , ,