Auf den richtigen Zeitpunkt warten

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In dem Heft Vorbereitung auf die Ordination findet sich eine Reihe von Artikeln, zusammengestellt von der Ehrenwerten Thubten Chodron, die zur kostenlosen Verteilung gedacht sind.

Ich möchte gerne meine Erfahrungen teilen, die ich bei meiner ersten Begegnung mit dem Dharma gemacht habe. Was ich sage, mag vielen Praktizierenden als offensichtlich erscheinen, aber wenn es nur einer einzigen Person weiterhilft, ist das genug.

Als ich dem Dharma zum ersten Mal begegnete, überschlugen sich meine Gedanken. Die Unterweisungen hatten eine starke Anziehungskraft auf mich und ich war fasziniert und begeistert von ihnen. Ich hatte das starke Verlangen, so schnell wie möglich Mönch zu werden, um intensiv zu praktizieren und auf dem schnellsten Weg ein Buddha zu werden. Glücklicherweise hat mein Lehrer mich davon abgehalten, in meine eigene Falle zu gehen. Zu dieser Zeit meines Lebens Mönch zu werden, wäre ein Desaster für mich gewesen. Warum? Weil ich den Dharma nur intellektuell begriff — was ich zu dem Zeitpunkt jedoch nicht wusste. Mein Verlangen ordiniert zu werden, war lediglich ein Verlangen meines Egos und der Dharma-Antrieb aus meinem Herzen war klein. Dementsprechend hätte mich die Ordination unter Druck gesetzt, statt Frieden und Zufriedenheit zu bringen, dem wahren Zweck des Praktizierens und der Gelübde. Ich wäre in einem ständigen inneren Konflikt gewesen, wenn ich versucht hätte meinem Ideal des Klosterlebens nachzukommen, anstatt mich so zu akzeptieren wie ich momentan bin und damit zu arbeiten. Nach einiger Zeit erkannte ich meine fehlerhafte Motivation. Ich bin zur Vernunft gekommen. Oder genauer gesagt, ich habe meine Vernunft zurückgelassen und einen winzigen Tropfen Dharma in meinem Herzen entdeckt. Je mehr ich praktizierte, umso mehr Selbstakzeptanz erwachte in meinem Herzen. Ich hörte auf, mich selbst mit meinem idealistischen, intellektuellen Verständnis des Dharma und den damit verbundenen Erwartungen unter Druck zu setzen. Der Dharma ist wunderschön und wir brauchen eine langfristige Sicht, um ihn in uns zu finden. Es braucht seine Zeit, zu praktizieren und Dharma Qualitäten zu entwickeln. Wie seine Heiligkeit der Dalai Lama sagt, „Je länger der Praktizierende bereit ist, zu praktizieren, desto schneller wird er oder sie das Ziel erreichen“. Freudvolles Bemühen bedeutet, im Einklang und glücklich mit der Praxis zu sein und bereit zu sein, viel Zeit dafür zu investieren. Wenn wir das erreicht haben, dann praktizieren wir wirklich. Heute bedeutet Dharma für mich, ein besserer Mensch zu werden, für andere zu sorgen und zu versuchen, ein gütiges Herz zu entwickeln. Es bedeutet nicht, intellektuell und verkrampft zu sein und mich zu etwas zu drängen.

Ich hoffe dann ordiniert zu werden, wenn ich davon völlig überzeugt bin, dass ich die Gelübde in einem zufriedenen, glücklichen Geisteszustand halten kann. Dann wird die Ordination meiner Praxis zu Gute kommen und das wiederum wird vielen anderen Menschen helfen. In der Zwischenzeit werde ich versuchen gemäß der Gelübde zu leben, während ich Laienkleider trage und langes Haar habe. Ich werde üben ein Mönch zu sein, bevor ich tatsächlich einer werde.

Upasaka Guy Rom

Guy Rom wurde in Israel geboren und interessiert sich für den Buddhismus seit seinen Reisen nach Indien und Nepal in den frühen 90er Jahren. Sein Hauptlehrer ist Lati Rinpoche. Er studierte und praktizierte für mehrere Jahre in Dharamsala und Süd-Indien.

Guy Rom

c/o Dalia Hochman
64 Hadar St.
Omer 84965, Israel
guyrom@hotmail.com

Englische Version: Waiting for the right time

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