Rechte Lebensweise für die Sangha im 21. Jahrhundert

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Als lebende Wesen sind wir als ordinierte Nonnen und Mönche mit der Aufgabe konfrontiert, unsere Körper zu erhalten, damit wir unser wertvolles Lebens als Mensch gut nutzen können, um Dharma zu praktizieren und auf dem Weg zur Erleuchtung voranzuschreiten. Aber wie sieht die rechte Lebensweise für Ordinierte aus? Im Vinaya und den Sutras hat der Buddha viele Richtlinien hierfür dargelegt. So sollen wir zum Beispiel kein Land bewirtschaften und nicht Dinge kaufen, verkaufen oder generell mit Geld handeln, sondern von den Gaben leben, die uns gemacht wurden. Dabei dürfen wir an diese Gaben nicht dadurch gelangen, dass wir anderen schmeicheln, Andeutungen machen, Zwang ausüben, ein kleines Geschenk machen, um ein großes zu erhalten oder uns in der Gegenwart potenzieller Spender scheinheilig als exzellente Praktizierende präsentieren.

Die erhwürdige Thubten Chodron erhält eine Spende nach einer Dharma-Lehrrede am Maitripa-Kolleg..

Wir leben von den Spenden, die man uns gibt. (Photo by Sravasti Abbey)

Der Buddha hat diese Regeln für die rechte Lebensweise für die Sangha im Kontext der alten, indischen Kultur aufgestellt, in der die Bevölkerung spirituell Praktizierende respektierte und es für Haushaltsvorstände die gesellschaftliche Norm war, wandernde Meditierende zu unterstützen. Als sich die Lehren Buddhas in verschiedene Regionen mit ihren unterschiedlichen Kulturen, Klimabedingungen und politischen, ökonomischen und sozialen Strukturen ausbreiteten, wurden diese Richtlinien abgeändert, um der jeweiligen Situation zu entsprechen. Zwar haben die nachfolgenden Generationen von Ordinierten nicht das Vinaya selbst geändert – die 500 Arhats des ersten Konzils hatten diese Überlegung abgelehnt–doch hat sich die Art und Weise verändert, auf die manche Gebote interpretiert und wie sie umgesetzt wurden. Die verschiedenen Sangha-Gemeinschaften nahmen dabei Rücksicht auf den Rat Buddhas, in neuen Situationen in Übereinstimmung mit dem zu handeln, was er in ähnlichen Situationen im Vinaya vorgeschrieben bzw. verboten hatte.

Dementsprechend sind die Grundprinzipien des Vinaya bis heute unverändert geblieben und im Allgemeinen leben die Ordinierten überall auf der Welt auf ähnliche Weise. Dennoch gibt es gewisse Unterschiede, da jede buddhistische Tradition ihre eigene Art hat, die Richtlininien der rechten Lebensweise zu interpretieren und anzupassen und innerhalb der verschiedenen Traditionen und innerhalb dieser wiederum innerhalb jedes Landes und sogar jedes einzelne Kloster gibt es bestimmte Bräuche und Regeln, die sich voneinander unterscheiden. Einerseits sollten wir den Absichten und Entscheidungen jeder Tradition vertrauen, die jede Tradition, jedes Land, jedes Kloster im Anpassungsprozess trifft. Alle Buddhisten lieben den Dharma und geben ihr Bestes, um ihn zu praktizieren und zu erhalten. Andererseits kann es uns helfen, nicht eingebildet oder selbstgefällig zu werden, vorherige Entscheidungen noch einmal zu überdenken und Fragen zu stellen.

Monastische Werte für die rechte Lebensweise

Was sind die gemeinsamen Werte, die wir als buddhistisch Ordinierte teilen, und die wir im 21. Jahrhundert für eine rechte Lebensweise anwenden sollten.

  • Einfachheit hinsichtlich der Anzahl und Qualität der Besitztümer
  • Nicht luxuriöser zu leben als die Laien-Praktizierenden, die uns unterstützen
  • Dem Vinaya so getreu wie möglich zu folgen
  • Laien-Praktizierenden keine Schwierigkeiten zu bereiten
  • Ethisch zu leben
  • Eine Inspiration für die Gesellschaft zu sein
  • Gerechte Verteilung von Ressourcen

Anders formuliert, handelt es sich hierbei um die zehn Vorteile für Etablierung von Gelübden, die der Buddha lehrte:

  • Ordinierten eine klare Richtung zu geben
  • Ordinierte friedlich und glücklich zu machen
  • Ordinierte zu schützen

Diese drei sind dazu da, die Harmonie in der Sangha zu bewahren.

  • Um diejenigen zu inspirieren, die keinen Glauben haben
  • Um die Praxis derjenigen voranzutreiben, die Glauben haben

Diese zwei sind dazu da, die Gesellschaft zu transformieren.

  • Um die Widerspenstigen zu besänftigen
  • Um diejenigen zu stabilisieren, die ein Gespür für Redlichkeit und Integrität haben
  • Um vorhandene negative Handlungen zu beseitigen
  • Um zu verhindern, dass neue negative Handlungen entstehen

Diese vier sind dazu da, zur Befreiung zu gelangen.

Das allgemeine Ziel all der genannten Regeln ist, dass der Buddhadharma für immer erhalten bleibt.

Anwendung dieser monastischen Werte

Werfen wir einen Blick auf ein paar verschiedene Variationen, in denen diese Werte Anwendung gefunden haben. Bei den untentstehenden Punkten geht es mir nicht darum, über Richtig und Falsch zu urteilen. Niemand sollte mit dem Finger auf andere zeigen und sie für ihre Entscheidungen kritisieren. Das ist eine Angelegenheit, die jeder mit sich selbst ausmachen und die wir in unsereren Gemeinschaften diskutieren sollten. Zusätzlich zu den verschiedenen oben erwähnten Situationen, werden Menschen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen, je nachdem, ob sie in einem buddhistischen oder nicht-buddhistishen Land leben, ob ihr Kloster nur wenige Ordinierte oder Tausende hat, ob sie Flüchtlinge sind oder in ihrem eigenen Land leben. Die folgenden Beispiele stammen von verschiedenen buddhistischen Traditionen aus Asien und im Westen.

Was Geld betrifft, so gibt es Ordinierte, die es nicht anfassen; andere fassen es an, aber das Kloster, nicht der individuelle Ordinierte ist es, der das Geld beseitzt. Einige Ordinierte, die ich kenne, haben ihr eigenes Geld–manche von ihnen haben es durch Arbeit verdient, weil sie in einem Nicht-Buddhistischen Land leben und die Laien-Buddhistien in ihrer Region hauptsächlich den hochangesehenen Mönchen und Nonnen geben und nicht den frisch Ordinierten. Von denjenigen, die einer Arbeit nachgehen müssen, um für sich zu sorgen, unterrichten manche an Schulen, sind Seelsorger in Krankenhäusern, andere arbeiten als Psychitherapeuten. Andere machen, was auch immer sie finden konnten. Da sie für sich selbst aufkommen, geen sie in Geschäfte und kaufen, was sie möchten und können es sich auch leisten.

Für Essen gehen manche Ordinierte um Almosen bitten, andere essen das, was ihnen in den Tempel gebracht wurde. Manche Klöster kaufen und kochen Essen für die Gemeinschaft, während andere Ordinierte allein leben und für sich selbst einkaufen und kochen.

Manche Mönche und Nonnen leben allein von Spenden und üben keinerlei Druck auf ihre Schüler aus, etwas zu spenden; andere wiederum singen bei Beerdigungen mit der Erwartung dafür große Spenden zu erhalten. Manche Klöster führen Restaurants oder Hotels, um die große Anzahl an Mönchen und Nonnen zu ernähren, die dort leben.

Manche Ordinierte fahren nicht Auto, auch wenn sie manchmal in Luxuswägen von reichen Gönnern gefahren werden; manche Klöster besitzen Gemeinschaftsautos. Manche Mönche und Nonnen fahren Motorrad, wiederum andere, die allein leben, haben ihr eigenes Auto.

Die Nutzung von Informationstechnologie

Zu einem Gebiet hat der Buddha hinsichtlich des Sangha-Lebens keine Anweisungen gegeben, weil es zu seiner Zeit nicht existierte:

Informationstechnologie. Dazu gehören Internetnutzung, Chatrooms, iPods, Handys, Computer, iPads, Email, Facebook, Blogs usw. Informationstechnologie ist an und für sich weder gut noch schlecht. Sie ist lediglich ein Mittel, das auf verschiedene Weise genutzt werden kann, je nachdem mit welcher Motivation und auf welche Weise wir es verwenden.

Während meiner Reisen habe ich festgestellt, wie unterschiedlich Sanghas damit umgehen. Ein Mönch lebte sehr einfach und studierte den Dharma intensiv und mit großer Gewissenhaftigkeit. Da er keinen Computer hatte, ging er ins Internet-Café des Klosters. Dort lernte er in einem Chatraum eine Frau aus einem anderen Land kennen, die nun seine Ehefrau ist. Eine andere Gruppe Mönche aß niemals nach nach Mittag, fasste kein Geld an und war stets darauf Bedacht, einen gewissen Abstand zu jeder Frau zu halten, mit der sie sprachen. Aber wenn sie sich wiedersahen, nachdem sie sich eine Weile nicht gesehen hatten, holte jeder sein iPod, Backberry oder Handy heraus und sie verbrachten Stunden damit, die Funktionen und Preise aller Geräte zu vergleichen. In manchen Klöstern waren die meisten Mönche in Handytelefonate vertieft, während sie herumliefen; in einem anderen Kloster mit einem großen Gelände besaßen einzelne Ordinierte Handys, um die Sangha-Aktivitäten zu koordinieren. Manche haben ihre eigene Facebook-Seite, mit deren Gestaltung sie viel Zeit verbringen, andere haben keine. Manche haben viel Freizeit und verbringen jeden Tag viel Zeit mit ihren Blogs. Manche Blogs enthalten gute Dharm-Diskussionen und nützliche Informationen, andere setzen den Fokus auf die Beziehungen innerhalb und zwischen buddhistischen Gruppen.

Ein Beispiel

Da der Buddhismus sich nun auch im Westen–wo ich lebe-verbreitet und Wurzeln fasst, würde ich gerne über die Entscheidungen sprechen, die wir hinsichtlich des Sangha-Lebens in Sravasti Abbey getroffen haben und zwar insbesondere, was unseren Umgang mit Technologie betrifft. Dabei möchte ich einige unserer Entscheidungen darlegen, die wir getroffen haben, um einerseits den fundamentalen Grundsätzen Buddhas hinsichtlich der rechten Lebensweise der Sangha zu entsprechen und andererseits eine pragmatische Handhabe zu finden in Hinblick auf die Umstände, in denen wir leben–in einer konservativen, ländlichen Region in einem nicht-buddhistischen Land.

Unmittelbar vor ihrer Ordinierung geben Mönche und Nonnen geistig das Geld, das sie besitzen, auf und geben es anderen. Auf der praktischen Ebene mögen sie noch Rücklagen besitzen, dürfen sie aber nur für bestimmte Zwecke nutzen: Arzt- und Zahnarztkosten (es sei denn sie haben hierfür nicht die nötigen Geldmittel, in diesem Fall greift ihnen die Abbey unter die Arme), Lehr- und Lern-Reisen, und um Opfergaben darzubringen. Die Abbey übernimmt die Krankenversicherung für Vollordinierte, für ihre Studienmaterialien und alle übrigen Kosten.

Mönche und Nonnen in Sravasti Abbey besitzen keine eigenen Autos. Alle Autos gehören dem Kloster und dürfen nur mit Erlaubnis genutzt werden. Da wir in einer abgeschiedenen Gegend leben und es eine beträchtliche Menge an Verschmutzung verursachen würde, Laien-Praktizierende zu bitten, zur Abbey zu kommen, um uns irgendwohin zu fahren, fahren unsere Mönche und Nonnen selbst Auto. Wir koordinieren unsere Fahrten in die Stadt so, dass wir die größtmögliche Anzahl an Erledigungen machen können, wobei uns Laien-Praktizierende, die am jeweiligen Tag in der Abbey ihre Dienste anbieten, uns dabei dankenswerterweise unterstützen. Wenn wir abends unterwegs sind um Dharma-Unterricht zu erteilen, so sind immer mindestens zwei Ordinierte des gleichen Geschlechts im Wagen.

Alle Computer, Aufnahmegeräte, iPods und andere Informationstechnologie-Geräte gehören der Gemeinschaft und befinden sich nicht im Besitz bzw. den Räumlichkeiten einzelner Nonnen und Mönche. Wenn jemand online ist, muss eine andere Person anwesend sein, und wir gehen nur für Dharma-Informationen oder für Dinge online, die mit der Abbey zu tun haben. Es ist nicht erlaubt, in Chatrooms zu gehen oder persönliche Blogs zu führen. Es gibt allerdings eine Facebook-Seite für die Abbey sowie unsere Äbtissin, die von einem Laien-Praktizierenden betrieben werden. Der persönliche Emailverkehr ist eingeschränkt, weil wir uns mit den realen Menschen befassen möchten, und nicht in einer virtuellen Welt verloren gehen wollen.

Um den Dharma mit anderen zu teilen, machen wir sehr häufig Gebrauch von IT: Wir posten jeden Tag kurze Dharma-Gespräche auf YouTube, wöchentliche und längere Belehrungen werden auf YouTube archiviert und einmal in der Woche wird eine Belehrung live über das Internet gestreamt. Wir verschicken jeden Monat einen e-Newsletter und eine kurze Dharma-Belehrung und es gibt ein online Dharma-Schulungs-Programm. Für unser Online-Material erheben wir keinerlei Gebühren.

Auch für den Aufenthalt im Kloster werden keine Gebühren erhoben. Wir haben allerdings ein Kautions-System für Retreats eingerichtet, da manche Leute im letzten Moment abgesagt hatten und ihr Platz verloren ging, da keine Zeit mehr blieb, anderen auf der Warteliste Bescheid zu sagen. Wir selbst kaufen nicht ein und essen nur das, was andere uns als Spende übergeben.

Wir kochen selbst, da wir in einer abgelegenen Gegend leben und Laien-Praktizierende uns nicht jeden Tag gekochtes Essen liefern könnten. Alle Bücher und anderes Dharma-Material sind kostenlos, wir haben allerdings einen Dana (Spenden-) Korb, in dem man seine Spende hinterlegen kann. Kurz gesagt, möchten wir, dass unser Leben von Großzügigkeit durchzogen ist und diese Großzügigkeit möchten wir auch gerne in anderen wecken.

Gleichstellung der Geschlechter

Zwar ist unser hiesiges Thema die rechte Lebensweise der Sangha und insbesondere die Verwendung von Technologie, dennoch möchte ich gerne einen anderen Bereich erwähnen, in dem die eingangs erwähnten Prinzipien ebenfalls Anwedung finden – und zwar die Gleichstellung der Geschlechter. In modernen Gesellschaften, für die die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein hohes Gut ist und Gesetze in gleichem Maße für Männer und Frauen gelten, ist es wichtig, dass auch in der Sangha Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Hierfür müssen wir unser Zölibat-Gebot nicht aufgeben. Würden in der Sangha Männer und Frauen ungleich behandelt, so würde dies dazu führen, dass viele – Frauen und Männer gleichermaßen – ihre Überzeugung in die Lehren Buddhas verlieren würden: „Der Buddha war gegen das Kasten-System, hat die Harmonie unter den Menschen gefördert und hat unmissverständlich dargelegt, dass jedes fühlende Wesen gleichermaßen das Potenzial hat, zur Erleuchtung zu gelangen. Warum lebt die Sangha nicht entsprechend dieser Werte?“ Vielleicht würden wir darauf erwidern: „Wenn andere deswegen dem Buddhismus den Rücken kehren, ist das ihre Sache. Meine Verantwortung liegt darin, dass ich meine Übungen mache.“, oder: „Ich wünschte ich könnte etwas dagegen tun, aber der Vinaya verbietet Änderungen.“ Dies wäre ein enormer Verlust für all diejenigen, die von den wertvollen Lehren Buddhas profitieren könnten. Zudem würde es das Leben der Sangha gefährden, weil viele Leute ihre Unterstützung für eine in ihren Augen archaische Institution aufgeben würden.

In Sravasti Abbey leben wir Gleichberechtigung. Alle Ordinierten erhalten dieselbe Ausbildung und volle Ordination als Bhikshus oder Bhikshunis, die für Männer und Frauen gleichermaßen verfügbar ist. Jeder bzw. jede verbringt zwei Jahre als Novize bevor er oder sie voll ordiniert wird, und sowohl Frauen als auch Männer geben Dharma-Belehrungen für die Gemeinschaft und die Laien-Praktizierenden. Die Reihenfolge, in der wir Essen und andere Spenden annehmen erfolgt anhand des Ordinationsalters, unabhängig vom Geschlecht. Frauen arbeiten mit der Kettensäge, Männer kochen und machen den Abwasch und umgekehrt.

Das Verhältnis von Gemeinschaftsleben und rechter Lebensweise

Der Buddha hat die Sangha-Gemeinschaft für verschiedene Zwecke eingeführt, u.a.:

  • Damit die Ordinierten sich gegenseitig dabei ermutigen und unterstützen die Gebote einzuhalten und den Pfad zur Befreiung zu praktizieren.
  • Damit die Gesellschaft inspiriert wird, wenn sie eine Gruppe von Praktizierenden sieht, die ihr Bestes geben, harmonisch und entsprechend der Lehren Buddhas zusammenzuleben.

Dennoch hat jede buddhistische Tradition Sangha-Mitglieder, die entweder in einer Gemeinschaft oder alleine leben. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe: Es mag an Unterstützung für die Gründung eines Kloster gemangelt haben, vielleicht gab es keinen Lehrer oder erfahrenen Ordinierten, der die Gemeinschaft hätte leiten können, oder vielleicht war die jeweilige Person nicht willens ihre Unabhängigkeit aufzugeben usw. Es gibt allerdings viele Gefahren für die rechten Lebensweise, wenn wir alleine leben. Ohne die Sangha als Bezugspunkt „interpretieren“ und anwenden wir die Gebote entsprechend dem, was unserem selbstzentrierten Geist und unserer an einem festen Selbst haftenden Unwissenheit gefällt. Es ist äußerst verführerisch, es den Laien-Praktizierenden, mit denen wir umgeben sind, gleich zu tun, z.B. einer Arbeit nachzugehen oder wann immer wir wollen in einen Laden zu gehen und zu kaufen, was wir haben möchten, viele Online-Freunde zu haben und auf alle möglichen Webseiten zu gehen, auf die wir gerade Lust haben und dergleichen mehr. Der ungezügelte Zugang zu materiellen Gütern, zu Informationen und Freundschaften mit den verschiedensten Leuten kann einen Ordinierten auf dünnes Eis führen und endet nur allzu oft in gebrochenen Geboten und Entrobung.

Auf der anderen Seite gibt es auch enorme Herausforderungen dabei, eine gesunde Gemeinschaft aufzubauen. Letztlich sind die meisten von uns unerleuchtet und stehen unter dem Einfluss von negativen Emotionen. Auch kann eine Gemeinschaft als Ganze von Gier oder Faulheit hinsichtlich der Gebote befallen sein, was nicht nur für die einzelnen Mitglieder, sondern auch für die Gesellschaft im Allgemeinen äußerst schädlich ist. Da eine Gemeinschaft aber aus vielen Individuen besteht, ist es wahrscheinlich, das irgendjemand aufstehen wird und sich gegen Praktiken ausspricht, die zu moralischem Zerfall führen, und die Gemeinschaft an ihre gemeinsamen vom Buddha stammenden Werte und Prinzipien erinnert. Wenn wir von anderen umgeben sind, die dieselben Werte teilen wie wir, sind unsere Aussichten darauf, auf rechte Weise zu leben, besser. Dies ist mit einem kleinen Baumsetzling vergleichbar, der geradlinig wachsen möchte. Dies wird der Fall sein, wenn er von anderen Bäumen und anderen Setzlingen umgeben ist, die gemeinsam gerade wachsen. Wenn er allerdings alleine für sich ist – gerüttelt vom Wind und betrampelt von denjenigen, die vorübergehen – so wird es für ihn schwierig werden, sich zu einem geraden und starken Baum zu entwickeln.

Wie das Leben in einer Gemeinschaft im Gegensatz zum Leben allein die rechte Lebensweise beeinflusst ist ein großes für sich Thema, das den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Wir sollten es allerdings im Hinterkopf behalten und uns dessen bewusst sein, wenn wir Entscheidungen treffen, die Einfluss auf unsere Werte, Prinzipien und unsere Lebensführung als Mönch oder Nonne haben.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Art und Weise, wie die Sangha ihre Lebensweise gestaltet einen tiefen Einfluss auf das Überleben des Buddhadharma in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts haben wird. Der Buddha wies darauf hin, dass das allmähliche Verschwinden des Dharma aus der Welt eher von inneren Faktoren als von äußeren Kräften bestimmt sein wird. Wenn die Sangha zu lax in ihrer Interpretation der rechten Lebensführung ist, wird das Einhalten der Gebote verwässert und die Gesellschaft verliert den Respekt vor der Sangha. Wenn, auf der anderen Seite, die Sangha aber zu rigide und starr ist, wird die Gesellschaft sie als altertümliche Institution betrachten, deren Unterstützung unangebracht ist. Jede Tradition und jede Gemeinschaft muss ihren eigenen mittleren Weg finden, der unter den entsprechenden kulturellen, klimatischen etc. Umständen funktioniert, unter denen sie leben.

Die buddhistische Sangha lebt heutzutage in einer anderen Welt als derjenigen, in der sie vor 26 Jahrhunderten entstand. Diese Unterschiede bestehen z.B. darin, dass heutzutage Geldhandel und nicht Tauschhandel betrieben wird, in der Benutzung von Informtionstechnologie und in Werten wie ethnischer und geschlechtlicher Gleichberechtigung sowie Menschenrechten. Wir müssen uns die vom Buddha stammenden Werte und Prinzipien, die unser Leben und unseren Lebensstil leiten, klar vor Augen halten und immer wieder in uns gehen und uns fragen: „In welchem Maße entspricht mein Leben diesen Werten? In welchem Maße lebt mein Kloster oder meine Gemeinschaft entsprechend dieser Werte? Was können wir tun, um unsere Rechtschaffenheit und Redlichkeit diesbezüglich zu verbessern?“ Jeder von uns wird entsprechend seiner individuellen Situation zu unterschiedlichen Schlüssen kommen; das Entscheidende hierbei ist, dass wir unsere Entscheidungen nach sorgsamer Überlegung und mit guten Gründen treffen. Auf diese Weise können wir wir in Einklang mit uns selbst und harmonisch in unseren Gemeinschaften leben, die Gesellschaft inspirieren und auf dem Weg zur Erleuchtung voranschreiten.

Englische Version: Right livelihood for the sangha in the 21st century

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