Unser Leben vereinfachen

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Von vielen Menschen hört man, dass sie ihr Leben vereinfachen möchten. Aber sie finden die Umsetzung schwierig.

Sie bemerken, dass sie nicht nur von den Bedingungen in der Gesellschaft abhängig sind sondern auch einen gehörigen Eigenanteil an den Umständen haben. Da besteht nämlich Angst—Angst davor, unglücklich zu sein oder keinen Erfolg zu haben, nicht geliebt zu werden oder keine finanzielle Absicherung zu haben.

Wenn wir beim Meditieren unseren Geist beobachten können wir diese äußeren Bedingungen und die inneren Ängste erkennen. Und wir können bemerken, welche kriegsartigen Konflikte sich in unserem Geist und in unserem Leben abspielen, wenn wir versuchen, die Dinge zu vereinfachen. Ein Anteil in uns sagt: „Die Vereinfachung ist der richtige Weg! Damit tue ich etwas gutes für die Umwelt weil die Ressourcen auf dem Planeten gerechter verteilt werden.“ Ein anderer Anteil warnt: „Bist du verrückt? Was werden nur die anderen denken?“ oder „Du setzt Deine Altersabsicherung aufs Spiel!“ oder auch „Meine Kinder werden nicht dieselben Sachen haben wie die anderen und werden zu Außenseitern.“

Wie wir unsere Hindernisse überwinden können

Diesen Konflikt entschärft man am besten indem man ihn als das bloßstellt, was er ist, nämlich einfach ein Konflikt. Hat man das erkannt kann man die geistige „Pause-Taste“ drücken, durchatmen und sich auf seine mitfühlende Motivation besinnen.
Oder man erinnert sich an die Vorteile, die eine Vereinfachung des Lebens mit sich bringt. Die folgenden Beispiele sind eine Anregung zum Nachdenken:

Ehrw. Chödrön sitzt am Fenster und liest ein Buch.

Die Einfachheit beinhaltet, die Erschwernisse des Lebens loszulassen und die Dinge um uns herum in jedem einzelnen Moment wertzuschätzen.

Durch Vereinfachung lernen wir, die Anhaftung an die Probleme im Leben loszulassen und sehen stattdessen, was sich im jeweiligen Moment vor und um uns herum befindet. Wir sehnen uns nicht länger nach dem, was wir nicht haben oder von dem wir denken wir bräuchten es oder streben danach, etwas zu sein was wir nicht sind. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf den Moment. Und so gehen wir zum Beispiel eine innigere Beziehung zu den Menschen ein, mit denen wir leben und arbeiten. Wir finden plötzlich Zeit für ein gutes Gespräch mit ihnen und freunden uns mehr miteinander an. Wir erleben die frische Frühlingsluft, die Fülle des Sommers, den vollen Mond im Herbst und den Schnee im Winter. Wir entdecken Schönheit, wo wir sie vorher nicht bemerkt haben. Denke nicht, eine Vereinfachung des Lebens würde Dich jeden Genuss und alle Sicherheit kosten und dich zu einem entbehrungsreichen Lebensstil verdammen. Konzentriere dich lieber auf die Zufriedenheit, die dein Geist findet, wenn er frei von Verlangen und Unzufriedenheit ist. In der Regel entsteht Unzufriedenheit nicht aus dem augenscheinlichen Mangel an irgendetwas sondern aus dem starken Verlangen danach.

Innere Sicherheit entwickeln

Durch Vereinfachung kannst du Sorgen loslassen und machst dir keine neuen. Du machst dir keine Gedanken mehr darüber, ob du auch das besitzt, was andere haben, ob du dich mit den neuesten Entwicklungen bei technischen Spielzeugen auskennst oder die schickste Brille trägst. Du findest inneren Frieden. Du weißt, dass die Menschen die deine Freunde sind dich für deine Eigenschaften mögen und nicht weil du irgendein bestimmtes Image verkörperst (welches auch immer gerade in deinem Umfeld aktuell ist).

Durch Vereinfachung verschaffst du dir mehr Sicherheit, nicht weniger. Du kannst aufhören dich vor Diebstahl zu fürchten oder dass dein Ansehen leiden könnte. Dir ist bewusst, dass niemand je genug Geld haben wird um sich vollkommen sicher zu fühlen und so bist du mit dem zufrieden, was du hast.

Unsere Zeit, unsere Energie und unseren Geist freisetzen

Indem wir einfach leben befreien wir unser selbständiges Denken von seinen Fesseln. Wir lassen uns nicht von den Medien einflüstern was wir brauchen oder wie wir sein sollten sondern wir sind frei, definineren unsere eigenen Werte und leben danach.

Wir entzerren auch die uns dauernd offen stehenden, unzähligen Wahlmöglichkeiten. Gewöhnlich halten wir es für eine große Freiheit, so viel Auswahl zu haben. Aber bei genauer Betrachtung ist es eher verwirrend. Besuchen wir „nur mal eben“ den Supermarkt bleiben wir an der Apfelauslage hängen, weil es so eine große Auswahl gibt und wir uns nicht für eine Sorte entscheiden können. Dasselbe passiert am Keksregal und bei den Nudeln. Oder wenn wir ein neues Haushaltsgerät anschaffen, egal ob ein Werkzeug oder eine technische Spielerei, dann können wir es nicht einfach direkt einsezten. Vorher müssen wir stundenlang Einstellungen nach unseren Vorlieben auswählen und programmieren. Wir könnten diese Zeit gut nutzen um dem Pfad zur Erleuchtung zu folgen. Stattdessen aber beschäftigen wir unsere Aufmerksamkeit mit der Auswahl winziger Details, die uns als glücksbringend verkauft wurden, die uns aber in Wirklichkeit immer mehr verwirren.

Leben wir vereinfacht werden wir auch alle Checklisten los. Hast du mal beobachtet, wie sehr wie an solchen Listen und den vermerkten Aufgaben hängen? Wir halten sie für unentbehrlich und wirbeln herum um alles abzuarbeiten. Nur leider wird die Liste immer länger, je mehr wir tun. Und die wirklich wichtigen Dinge stehen gar nicht drauf. Z. B. „Meinen Kindern mit Liebe in die Augen sehen und zuhören, wie ihr Tag war“, „Meinen Freunden sagen, wie sehr ich ihre guten Eigenschaften schätze“, „Großherzig denen gegenüber sein, die mittellos oder krank sind“, „Sich hinsetzen und in meinem Herzen friedvoll sein“, und „Über die große Güte aller meditieren“.

Einfaches Leben setzt Zeit und Energie frei. Nehmen wir als Beispiel deinen Arbeitsplatz: Überlege mal, was du alles kaufen musst, um ihm gerecht zu werden. Arbeitest du in einem Büro brauchst du passende Kleidung, fährst ein angemessenes Auto und schaust dieselben Filme an wie deine Kollegen. All das kostet Geld. Du strengst dich also an um die Dinge zu finanzieren, die du brauchst um deinen Arbeitsplatz zu erhalten. Das ist ein ganz schöner Teufelskreis. Im Geisteszustand der Einfachheit aber verlierst du die zwanghafte Sorge um das, was andere von dir denken.

Und es geht noch darüber hinaus, denn die Vereinfachung wirkt sich nicht nur auf deine Umgebung und deinen Besitz aus. Am nachdrücklichsten wirkt sie sich auf deine Ideen, Möglichkeiten und Vorlieben aus. Du wirst dir dessen bewusst, dass ein beurteilender Geist andere herabsetzt. Du bemerkst, wie sehr du an deinen Vorlieben hängst und wie unglücklich du wirst, wenn du deinen Kopf nicht durchsetzen kannst. Du erkennst, wieviele Meinungen und Urteile du dir in allen möglichen Bereichen gebildet hast. Allmählich kannst du diese loslassen und schließt deine innere Meinungsfabrik. Die Ruhe, die dadurch in deinem Geist entsteht, ist die reinste Wonne.

Sicher bedarf es am Anfang einiger Selbstdisziplin um dich aus dem Rad der Wünsche und Verwicklungen zu befreien und du musst die Angst davor überwinden, es zu tun. Aber wenn du dranbleibst wächst die Freude an der Einfachheit und wird immer mehr in deinem Leben erblühen.

Englische Version

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