Wie man mit Krankheit umgeht

Was wir tun können, bis wir die wahre Ursache beseitigt haben

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Wir alle werden krank. Die einzige Möglichkeit, Krankheit zu vermeiden ist, zuerst zu sterben. Sobald wir jedoch mit unserem Körper, der unter dem Einfluss geistigen Kummers/Leids und Karma steht, in die zyklische Existenz hineingeboren werden, ist Krankheit garantiert. Das ist eben die Natur unseres Körpers – er wird alt und krank.

Mann in einem Krankenhausbett.

Unwissenheit und Anhaftung, die wahre Ursache für Krankheit, zu beseitigen, beendet unsere Wiedergeburt in Samsara

Wie gehen wir also mit Krankheit um, wenn sie auftritt? Wir können uns natürlich selbst bemitleiden. Wir können jemand anderen beschuldigen. Wir können verärgert sein. Wir können uns selbst und alle um uns herum ziemlich unglücklich machen. Wird das unsere Krankheit heilen? Nein, natürlich nicht.

Beseitige die Ursache der Krankheit

Eine Sache ist es, die Ursache der Krankheit loszuwerden, die unsere Geburt ist. (Gelächter). Wenn wir nicht krank werden möchten, dann sollten wir nicht ins Samsara hinein geboren werden. Wie können wir die Geburt ins Samsara loswerden? Indem wir die Hauptursachen beseitigen, die in erster Linie Unwissenheit (Ignoranz) und Anhaftung sind.

Unsere zögerliche Gewohnheit

Wir alle sagen: „Ja, ja, ich muss meine Unwissenheit loswerden, – aber später“ (Gelächter) „Ich habe gerade eine so gute Zeit. Ich bin jung und mein ganzes Leben liegt vor mir. Es gibt so vieles, was ich tun kann. Es gibt so viele Menschen, mit denen ich zusammen sein möchte. So viele Menschen, die mir etwas bedeuten. Ich möchte eine Karriere haben. Ich möchte reisen. Ich möchte all diese Vergnügungen erleben. Ich möchte dies und das tun. Ich werde mich später um Samsara (zyklische Existenz) sorgen.“

Nun, das haben wir seit Urzeiten getan. Wir haben seit Ewigkeiten die Dinge verzögert. Und wohin hat uns das gebracht? Eine Wiedergeburt nach der anderen. Wir werden wieder und wiedergeboren, weil wir die Sache hinausschieben. Warum zögern wir? Wegen der Anhaftung.

Beseitige Unwissenheit mit der Weisheit, die die Realität erkennt

Hier sind wir also wieder. Die Hauptgründe unseres Leidens sind Unwissenheit und Anhaftung. Warum beseitigen wir Unwissenheit und Anhaftung nicht? Weil wir unwissend sind und anhaften. (Gelächter) Wir müssen die Situation klar erkennen. Wir müssen viel Mut aufbringen, um die Lage, in der wir sind, zu verstehen – und dann einige Anstrengung unternehmen, die endgültige Natur der Wirklichkeit, die Leerheit aller Phänomene zu begreifen. Auf diese Weise beseitigen wir die Unwissenheit, die Geburt, Altern, Krankheit und Tod nach sich zieht.

Gibt es in der Zwischenzeit andere Wege, um mit Krankheit umzugehen?

So, wie können wir sonst noch mit Erkrankung umgehen, bis wir an dem Punkt ankommen, wo wir Leerheit erkennen können? Nun, da gibt es eine Vielzahl sehr interessanter Wege.

Drück’ den Pausenknopf für Deine Horrorgeschichten

Ein Weg ist, den Geist zu untersuchen und zu sehen, wie Du auf Krankheit reagierst. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber wenn ich krank bin, wird mein Geist sehr ängstlich und ich fange an, Horrorgeschichten zu schreiben.

Zum Beispiel bekomme ich ein seltsames Gefühl hier in der Brust und schließe daraus, dass ich einen Herzanfall haben werde. „Wird mich jemand finden? Werden sie mich ins Krankenhaus bringen? Was wird im Krankenhaus passieren?“ Es war nur eine kleine Sache, aber mein Geist bläst sie auf zu: „Ich werde einen Herzanfall haben!“

Oder wir haben einen verdorbenen Magen und denken: „Oh, ich habe Magenkrebs!“ Wenn unsere Knie in der Meditationsstellung wehtun: „Oh, ich sollte mich besser bewegen, weil ich andernfalls mein ganzes Leben lang verkrüppelt sein werde.“ Schreibt Ihr Geist auch diese Art von Horrorgeschichten? Am Anfang haben wir ein Gefühl von Unwohlsein im Körper – eine physische Empfindung. Und abhängig davon, wie wir auf diese physische Empfindung reagieren, können wir eine ganze Menge geistigen Leidens erzeugen. Wenn wir auf eine körperliche Empfindung mit Angst und all den Horrorgeschichten antworten, verursachen wir Unmengen psychischen Leidens, nicht wahr?

Wenn wir in der Lage sind, den Pause-Knopf für unsere Horrorgeschichten zu drücken und nur das körperliche Gefühl wahrnehmen, dann brauchen wir nicht so viel mentales Leiden zu erzeugen. Es wird dann einfach zu einem Gefühl, das wir erleben. Es muss nichts sein, vor dem wir Angst haben, oder wo wir uns verkrampfen. Es ist nur ein Gefühl, und wir lassen dieses Gefühl zu.

Es ist ziemlich interessant. Während wir meditieren, erleben wir verschiedene physische Empfindungen. Wenn wir eine Empfindung „Schmerz im Knie“ nennen, dann fängt wirklich alles an, wehzutun. Aber wenn wir es „Gefühl“ nennen und nicht so sehr die Idee „Knie“ im Kopf haben, dann ist es nur ein Gefühl. Wo ist das Gefühl? Wo ist der Körper?

Während Ihrer Meditation können Sie vielfältig herumexperimentieren, den Schmerz auf spielerische Weise körperlich zu spüren, anstatt in die Gewohnheit zu verfallen, sich zu verspannen und davor Angst zu haben.

"Wie toll, dass ich krank bin!"

Eine andere Möglichkeit auf Krankheit zu reagieren, ist zu sagen: „Wie toll, dass ich krank bin!“

Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir normalerweise denken, oder? Die Dharma-Gegenmittel für die meisten unserer Beschwerden sind das genaue Gegenteil – exakt das, was wir nicht tun wollen. In unserem Fall hier bedeutet das, wenn wir krank sind zu sagen: „Klasse! Es ist so toll, dass ich krank bin.“

Sie werden sagen: „Sind Sie verrückt? Was meinen Sie mit ‚Es ist klasse, dass Du krank bist‘?“

Nun, die Ursache unserer Krankheit ist negatives Karma, das wir in der Vergangenheit erzeugt haben. Jetzt, wo das negative Karma in Form unserer Erkrankung heranreift, verwirrt es unseren Geist nicht mehr. Es ist sogar möglich, dass das negative Karma die Macht hatte, eine schreckliche Wiedergeburt für uns auszulösen (etwa als Höllenwesen, Hungergeist oder Tier), und das für lange Zeit, aber stattdessen ist es jetzt nur als geringfügiger Schmerz herangereift. Wenn wir es auf diese Weise betrachten, dann ist die Krankheit, die wir jetzt haben, eigentlich ganz gut zu bewältigen. Es ist nichts, weswegen man ausrasten müsste. Es ist nur halb so schlimm.

Ein Beispiel dafür

Manchmal ist es ist ein gutes Gegenmittel, einfach zu sagen: „Oh, gut!“ Ich möchte Euch eine Geschichte von einer mit mir befreundeten Nonne erzählen.

Auf einem Retreat hatte sie mal eine dicke Beule an ihrer Wange, die sehr schmerzhaft war. In der Pause zwischen ihren Meditationssitzungen traf sie ihren Lehrer Lama Zopa Rinpoche.

Rinpoche sagte “Wie geht’s?”

Sie sagte [in einem klagenden Ton], “Oh! Ich habe diese Beule…”

Und Rinpoche sagte : „Großartig! Fantastisch! Da haben Sie aber Glück!“

Das war natürlich das letzte, was sie hören wollte. Sie wollte ein bisschen Mitleid. Aber Rinpoche sagte: „Das ist fantastisch! All das negative Karma, das als schrecklicher Zustand hätte reifen können, erleben Sie nur als kleine Beule. Wie glücklich Sie dran sind!“

Also, wann immer wir irgendwelche Körperschmerzen oder Krankheit haben, und es auf diese Weise sehen, wenn wir in der Lage sind, es aus dieser anderen Perspektive zu betrachten, dann erkennen wir, dass es eigentlich nicht so schlimm ist. Wir können es aushalten, wenn wir daran denken, dass es auch auf andere Art hätte reifen können, die uns viel mehr Leiden beschert hätte. Und wir können uns glücklich schätzen, dass dieses Karma jetzt heranreift, so dass es unseren Geist später nicht mehr verwirrt. Das ist also ein weiteres Hilfsmittel, das wir anwenden können, wenn wir krank sind.

Was würde Seine Heiligkeit, der Dalai Lama sagen?

Hier ist eine andere Geschichte, die ich sehr mag. Sie passierte einer Freundin von mir vor ein paar Jahren. Sie war jung, ungefähr Anfang dreißig. Sie hatte sich eine Weile nicht wohl gefühlt und war zu einem Arzt gegangen. Der Arzt gab ihr eine schreckliche Prognose und sagte ihr: „Das sieht nicht gut aus. Sie werden eine lange Zeit krank sein. Sie könnten daran sterben.“

Die unmittelbare Reaktion meiner Freundin war natürlich, aus der Fassung zu geraten, sich verängstigt zu fühlen und sich zu bemitleiden. Dann, an einem bestimmten Punkt, hielt sie inne und fragte sich selbst: „So, wie würde sich der Dalai Lama fühlen, wenn er in meiner Position wäre? Wie würde er mit dieser Situation umgehen?“ Sie dachte darüber nach, und sie kam zu dem Entschluss, dass Seine Heiligkeit wahrscheinlich sagen würde: „Sei einfach freundlich.“

Sie machte „Sei einfach freundlich“ zu Ihrem Leitspruch, und dachte: „O.K., ich werde eine Weile im Krankenhaus sein. Ich werde alle möglichen Menschen treffen – Krankenschwestern, Techniker, Therapeuten, Ärzte, Hausmeister, andere Patienten, meine Familie und andere. Ich werde mit vielen Menschen in Kontakt kommen und ich werde einfach freundlich sein.“ Sie beschloss, dass sie einfach zu allen, denen sie begegnen würde, freundlich sein wollte.

Sie sagte, dass sobald sie so dachte, ihr Geist friedvoll wurde. Das wurde möglich, weil sie akzeptiert hatte, dass sie krank sein würde, und ihre Vorgehensweise war, einfach freundlich zu sein. Ihr wurde klar, dass sie sogar, wenn sie krank war, ihr Leben nützlich gestalten konnte. Sie konnte anderen immer noch etwas geben, das deren Lebensqualität verbessern würde.

Wie es sich herausstellte, machte ihr Arzt weitere Tests und sagte ihr, dass er ihr eine falsche Diagnose gegeben hatte, dass sie gar keine so schwere Erkrankung hatte. Natürlich war sie sehr erleichtert, das zu hören, aber sie sagte, dass es eine sehr gute Erfahrung war, dass sie da hatte durchgehen müssen.

Was ist ein lebenswertes Leben?

Ich erinnere mich, als ich 1987 und 1988 in Singapur lebte, war da ein junger krebskranker Mann, der im Sterben lag. Er war Ende zwanzig. Ich besuchte ihn eines Tages und er sagte: „Ich bin nur eine nutzlose Person. Ich kann nicht einmal meine Wohnung verlassen.“ Wir waren nahe am Fenster und ich sagte: „Schauen Sie aus dem Fenster. All diese Leute, die da herumlaufen – glauben Sie, deren Leben ist lohnenswert? Sie mögen beschäftigt sein und viele Dinge erledigen, aber bedeutet das, dass ihr Leben sinnvoll ist?“

Ich fuhr fort ihm zu erklären, dass ein lohnenswertes Leben zu leben nicht unbedingt heißen muss, der Fleißigste unter den Beschäftigten zu sein. Ein lohnenswertes Leben zu leben hängt davon ab, was wir mit unserem Geist anstellen. Selbst wenn unser Körper unzulänglich ist, kann unser Leben sehr nützlich sein, wenn wir unser Herz und unseren Geist dazu benutzen, den Dharma zu praktizieren.

Wir müssen nicht gesund sein, um den Dharma zu praktizieren. Es kann leichter sein, zu praktizieren, wenn wir gesund sind, aber trotzdem, wenn Sie krank sind, nutzen Sie was auch immer Sie an Zeit und Energie haben und praktizieren Sie. Selbst wenn Sie nicht aufrecht sitzen können, oder auf dem Bett liegen, oder viel schlafen, oder was auch immer es ist, können Sie immer noch freundliche Gedanken denken. Sie können immer noch über die Natur der Wirklichkeit reflektieren. Sie können immer noch über Karma nachdenken. Sie können immer noch Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha nehmen. Es gibt noch eine ganze Menge, was Sie tun können, auch wenn Sie krank sind. Und das macht ihr Leben sehr, sehr bedeutungsvoll.

Glauben Sie nicht, Ihr Leben sei bedeutungsvoll, nur weil Sie herumlaufen und Zeug erledigen. Gauben Sie nicht, dass es eine Rechtfertigung für ein sinnvolles Leben ist, etwas äußerlich vorweisen zu können. Es kann gut sein, dass wir eine Menge Dinge haben, die nach Außen unsere Bemühungen anzeigen, aber während wir diese Dinge tun, haben wir Unmengen negativen Karmas erzeugt. Dieses negative Karma ist kein nützliches Ergebnis unseres Lebens.

Unterschätzen Sie nicht die Kraft Ihres Geistes

Auf der anderen Seite könnten wir krank sein und im Bett liegen. Aber wenn wir unseren Geist dazu nutzen, viel positives Karma zu erzeugen, wird dies eine gute Wiedergeburt verursachen und uns näher an Befreiung und Erleuchtung bringen.

Unterschätzen Sie die Kraft des Geistes nicht. Der Geist ist wirklich sehr kraftvoll. Sogar wenn Sie krank sind, kann allein die Kraft positiver Gedanken, die Sie erzeugen, die Menschen um Sie herum ganz schön beeinflussen.

Englische Version

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