Zum Wohle aller Wesen

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In dem Heft Vorbereitung auf die Ordination findet sich eine Reihe von Artikeln, zusammengestellt von der Ehrenwerten Thubten Chodron, die zur kostenlosen Verteilung gedacht sind.

Da das Erfahren von Glück das Resultat vorausgegangener positiver Handlungen ist, müssen wir zunächst verstehen lernen, wie man positiv handelt. Um das zu lernen, brauchen wir entsprechende Unterweisungen. Diese Unterweisungen sind für uns nur dann nützlich bzw. auch überhaupt erst zugänglich, wenn sie uns von Menschen vermittelt werden, die diese tagtäglich praktizieren, die die Tradition weiterführen, die ihre Bedeutung verstehen und diese in ihr Leben integrieren, die also in der Lage sind, sie an andere weiterzugeben. Hierzu ist eine Sangha — eine klösterliche Gemeinschaft — erforderlich. Diese Gemeinschaft benötigt natürlich einen Ort, an dem sie lebt und praktiziert — man kann ja schließlich nicht einfach irgendwo im Freien leben. Es muss also alles entsprechend organisiert sein und diese Organisation wird durch das Kloster geleistet.

Die Sangha besteht aus den Menschen, die den Dharma praktizieren, ihn leben und verstehen. Der Dharma bleibt somit durch die Gemeinschaft lebendig. Wenn alle diese Bedingungen vorhanden sind, bleibt die Lehre Buddhas am Leben und zwar authentisch. Die Menschen können von ihr profitieren, sie praktizieren und schließlich an andere weitergeben. Auf diese Weise wird für das Wohl aller gesorgt. Wenn wir zum Anfang unserer Überlegungen zurückkehren, kommen wir zu dem Schluss, dass ein Kloster als gemeinsamer Ort des Praktizierens benötigt wird.

Selbstverständlich könnten wir sagen, dass es doch das wichtigste ist, den Dharma zu praktizieren. Wir mögen damit anfangen zu praktizieren, ohne uns um eine organisatorische Struktur Gedanken zu machen und denken: „Ich habe die Unterweisungen von einem Lama erhalten. Ich kann doch alleine üben und das Wohl aller Wesen wird durch meine persönliche Praxis erreicht werden.“ Auf lange Sicht ist diese Auffassung jedoch sehr beschränkt. Denn wenn sich jeder einzig und allein um die aktuelle Situation kümmert, ohne sich Gedanken über das Fortbestehen der Botschaft zu machen, wird es eine Unzahl kleiner Sterne geben, die alle eines Tages verschwunden sein werden und nichts wird nach uns davon übrig bleiben. Die Energie, die wir der Weitergabe der Unterweisungen widmen, wird lediglich einer Handvoll von Leuten helfen und zwar denjenigen in unserem direkten Umkreis. Aber schließlich werden die Unterweisungen irgendwann verschwinden, genauso wie diejenigen, die Zugang zu Ihnen hatten, und die eigene Praxis zwar weiterentwickelt haben, jedoch nicht von einer entsprechenden Struktur in Form eines Klosters profitieren konnten. Man kann sich die Sangha daher als eine Art Gefäß vorstellen, durch das die Weitergabe der Unterweisungen gesichert wird.

Das Ziel der Sangha ist, an die ferne Zukunft zu denken. Mit der fernen Zukunft sind nicht die nächsten Monate oder die Jahre gemeint, sondern die kommenden Jahrhunderte, die zukünftigen Generationen. Es müssen organisatorische Strukturen geschaffen werden, um die geistigen Erkenntnisse des Dharma für die Zukunft zu erhalten. Die Sangha ist daher von essentieller Bedeutung, da sie das Fortbestehen des Dharma sichert, ihn praktiziert, versteht, perfektioniert und verbreitet. Dies garantiert, dass das Wissen über viele Jahrhunderte weiter bestehen bleibt.

Wir müssen das universelle Gesetz anerkennen, wonach Glück und die Ursache von Glück in positiven Handlungen liegen; und gleichermaßen Leid und die Ursache von Leid aus negativen Handlungen resultieren. Erleuchtung erreicht man, indem man zum Wohle aller Wesen arbeitet. Die Qualitäten selbstlosen Handelns wie Großzügigkeit, Güte und so weiter werden uns selbst und alle anderen Wesen von jeglichem Leid befreien und zur perfekten Erleuchtung führen.

Bhikshu Gendun Rinpoche

Gendun Rinpoche wurde in Tibet geboren. Er studierte und war viele Jahre im Retreat bevor er nach der Machtuebernahme der Chinesen nach Indien floh. Er hat die volle Kagyu Linienuebertragung vom Karmapa erhalten und war zehn Jahre im Retreat in Kalimpong, India. 1975 sendete der Karmapa Gendun Rinpoche nach Frankfreich um doch das Europaeische Hauptquatier des Dhagpo Kagyu Ling zu etablieren. Er lebte dort zehn Jahre und unterrichtete in anderen Dharma Zentren Europas. Dann zog er nach Le Bost in Frankreich, wo er Abt des Klosters und Retreat Zentrums Kundreul Ling wurde. Er verstarb dort im Oktober 1997.

Englische Version: For the good of all beings

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