Eine Handvoll Ratschläge

Für angehende Robenträger

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In dem Heft Vorbereitung auf die Ordination findet sich eine Reihe von Artikeln, zusammengestellt von der Ehrenwerten Thubten Chodron, die zur kostenlosen Verteilung gedacht sind.

Liebe Freundin,

danke für Deinen Brief. Höchst erfreut höre ich von Deinem Interesse an der Ordination zur buddhistischen Nonne. Das Thema Ordination ist vielschichtig und faszinierend. Jeder Einzelne der ordiniert, macht einzigartige und unterschiedliche Erfahrungen. Als erstes empfehle ich Dir, die Kapitel des Buches „Sakyadhita: Töchter des Buddha“ zu lesen, in denen es um Ordination und Klöster im Westen geht. Das dürfte schon viele Deiner Fragen beantworten und mit Sicherheit auch viele neue zu Tage fördern. Der buddhistischen Überlieferung nach kann man davon ausgehen, dass der Dharma dort etabliert ist, wo es eine Sangha gibt. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass im Westen eine starke Sangha entsteht und so freut es mich, meine Erfahrungen mit Dir zu teilen.

Ich bin seit 19 Jahren glücklich ordiniert. 13 Jahre habe ich in Indien verbracht, sechs in Hawaii. Allerdings hatte ich über die Jahre viele Freunde, die zwar ordiniert wurden, jetzt aber keine Robe mehr tragen. Die Erfahrung von ihnen gibt gute Hinweise dazu, worüber jede oder jeder nachdenken sollte, wenn sie oder er ernsthaft die Ordination in Erwägung zieht.

Der Wunsch zu ordinieren ist ein sehr ehrenhafter und sicher das Ergebnis positiver Taten und Gebete. Das Klosterleben ist sehr zuträglich für die Praxis, aber im Westen nicht immer einfach. Buddhismus ist im Westen noch relativ neu und noch immer gibt es nur wenig Unterstützung für Klöster jeglicher Art. Die Herausforderungen des Lebens können weder in Indien noch im Westen einfach durch das Empfangen der Ordination beseitigt werden.
Als erstes sollte man über seine Motivation zur Ordination nachdenken. Sie kann einem weder ein friedvolles Leben, ein Entkommen aus weltlichen Problemen, ein Vermeiden zwischenmenschlicher Beziehungen, Rückzug von emotionalen Problemen oder materielle Versorgung garantieren. Die höchste Motivation ist, wenn man aus vollem Herzen die Lehre des Buddha zum Wohle der eigenen Befreiung und der von anderen vom ewigen Kreislaufs von Werden und Vergehen, umsetzen möchte. Laien können das im Prinzip auch leisten, aber was sie von einem ordinierten Praktizierenden unterscheidet ist die Tiefe der Hingabe. Jedes Gelöbnis, egal ob das eines Laien, eines Novizen oder die volle Ordination, ist eine lebenslange Verpflichtung, sich an bestimmte Versprechen diverser Ebenen zu halten. Und jedes verlangt einem gleichermaßen ein gründliches Verständnis der Buddha-Lehre als auch eine starke Entschlossenheit ab, sie zu praktizieren.

Voraussetzung für jede dieser Ordinationen ist die Zuflucht in Buddha, Dharma und Sangha, was gleichbedeutend damit ist, Buddhist zu werden. Deshalb ist es so wichtig über seine Affinität zu dieser spirituellen Tradition nachzudenken, bevor man eine Verpflichtung eingeht. Genauso wichtig ist es, über seine Entschlossenheit nachzudenken, diese Versprechen zu halten. Die Novizen- und die Vollordination verlangen eine zunehmende und ernsthaftere Hingabe an die Dharma-Praxis. Sie beinhalten mehr Verantwortung und stärkere Sichtbarkeit: Das Tragen der Robe, die Rasur des Kopfes, das Halten von zusätzlichen Gelübden und das entsprechende Verhalten einer buddhistischen Nonne oder eines Mönches.

Diese Versprechen einzugehen bedeutet einen allmählichen Prozess einer stetig wachsenden Hingabe an den buddhistischen Pfad. Obwohl ich schon als Kind Buddhistin war und schon lange Nonne werden wollte begann ich mit der formalen Zeremonie der Zufluchtnahme bei meinem Lehrer. Dann ging ich die beiden Laien-Gelübde ein von denen ich mir sicher war, dass ich sie würde halten können. Jedes Jahr nahm ich ein Gelöbnis dazu, bis ich fünf hatte. Selbst als ich diese fünf Laien-Gelübde schon mehrere Jahre abgelegt und mich mit ihnen vertraut gemacht hatte dauerte es immer noch mehrere Jahre in denen ich mein Leben vereinfachte, bis ich schließlich Nonne wurde. Als ich den Ehrenwerten Nyanapodika, den bekannten deutschen Mönch, in Sri Lanka kennenlernte und ihm von meinem Bestreben erzählte, Nonne zu werden, da riet er mir: „Vergewissere Dich gründlich, dass Du nicht vor irgendetwas wegläufst.“ Das war ein guter Rat. Er veranlasste mich, über meine Motivation nachzudenken und ebenfalls darüber, ob ich wirklich schon reif für ein Klosterleben war.

Es besteht die Möglichkeit die acht Gelübde auf Lebenszeit zu nehmen, inclusive Zölibat, und ein weltliches Leben fortzuführen. Solche Personen können weiterhin Laien-Kleidung tragen, einer normalen Arbeit nachgehen, die Haare normal tragen, aber im Privaten die Gelübde wie eine Nonne oder ein Mönch pflegen. Stillschweigend einen zölibatären Lebensstil einzuhalten ist sehr tugendhaft, kann aber auch ganz schön schwierig sein. Da einen äußerlich nichts von einer Laienperson unterscheidet wird man rasch in weltliche Angelegenheiten verwickelt und verliert darüber an klösterlicher Entschlossenheit.
Nonne oder Mönch zu werden unterscheidet sich davon sehr, da die Robe und der rasierte Kopf deutlich machen, dass man sich einem spirituellen Leben verschrieben hat und sich von weltlichen Angelegenheiten wie Sex, Alkohol und Unterhaltung fernhält. Auf diese Weise erkennbar zu sein hat seine Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite schützt es einen vor weltlichen Verwicklungen, man stellt eine klar erkennbare spirituelle Quelle dar und fungiert als Verkörperung spiritueller Sehnsüchte. Zur gleichen Zeit haben die Leute aber auch Erwartungen, wie eine spirituelle Person sein, und wie sie dem gerecht werden sollte. Ohne eine starke Motivation können solche Erwartungen einen durchaus einengen.

Für mich beinhaltete die Ordination ganz oft ein Bangen um den Lebensunterhalt. Eines der ersten Dinge über die man nachdenken sollte ist, wie man sich Unterstützung sichern kann. Es gibt sehr wenige Klöster die westliche Ordinierte unterstützen. Dharma Zentren stellen Ordinierte oft nur Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung. Daher sagen einige Tibetische Lehrer, dass es möglich ist einem Job als Ordinierte nachzugehen. Wenn man nicht gerade unabhängig wohlhabend ist oder Mittel der Unterstützung hat mag es notwendig sein, zu arbeiten, aber ich finde es ist für Ordinierte weder notwendig noch angemessen, Laienkleidung oder lange Haare zu tragen. Ich habe jahrelang in Krankenhäusern und Universitäten mit Robe und mit rasiertem Kopf gearbeitet. Die Robe zieht zwar Aufmerksamkeit auf sich und das kann unangenehm sein aber die Kontemplation über den Nutzen der Gelübde kann helfen, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Während die Kontemplation über Mitgefühl für Lebewesen einem hilft, es anderen einfacher zu machen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Leute an die Robe und oft suchen sie spirituellen Rat. Die Robe scheint, zum Vertrauen anzuregen und sie erinnert die Menschen an ihre eigene spirituelle Seite. Manche Leute sagen, es wäre besser Laienkleidung zu tragen um sich in die Gesellschaft zu integrieren, aber ich möchte gar nicht in die Gesellschaft integriert sein, da meine Ziele und Interessen ganz anders sind als die der Allgemeinheit.

Ich empfehle Leuten mit Interesse an der Ordination mit den Laiengelübden zu beginnen, bis sie sich damit wohlfühlen. In dieser Zeit kann man sich durch Lesen oder Gespräche mit aktiven oder ehemaligen Nonnen und Mönchen über das klösterliche Leben in einer westlichen Gesellschaft informieren und sowohl die Vorteile als auch die Herausforderungen kennenlernen. Ebenso kann man sich Gedanken darüber machen, wie man finanzielle Unterstützung bekommen kann, denn da lässt sich nirgends viel erwarten.

Nonne oder Mönch werden ist ein lebenslanges Versprechen und beinhaltet, dass man sich an sehr strenge und bestimmende Regeln hält, die zur Zeit des Buddhas aufgestellt wurden. Es ist vernünftig, sich vor der Ordination sowohl gründlich mit diesem Regelwerk als auch mit den sozialen und kulturellen Erwartungen auseinanderzusetzen. Auch wenn man natürlich seine Meinung ändern und zum Laienleben zurückkehren kann ist das in der Regel eine sehr enttäuschende Erfahrung, für die betreffende Person genauso wie für die Umgebung. Zurzeit gibt es nur sehr wenige ideale Einrichtungen für westliche Nonnen und Mönche um das Klosterleben üben können, entsprechend schwierig ist es, das angemessene Benehmen zu erlernen. Es werden dringend mehr Kurse für zukünftige und neue Nonnen und Mönche benötigt, in denen man das lernen und üben kann.

Eine weitere Überlegung sollte die Rolle des eigenen Geschlechtes betreffen — sowohl in westlichen als auch in asiatischen Gesellschaften werden oft Nonnen ganz anders behandelt als Mönche. Mönche, besonders asiatische, erhalten Respekt und materielle Unterstützung während Nonnen, besonders westliche, bisweilen völlig vernachlässigt werden. Erfahrungen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes oder der Rasse können extrem frustrierend sein. Gesinnungen ändern sich schnell und Frauen können dazu einen sehr positiven Beitrag leisten, indem sie ihre Fähigkeiten veranschaulichen. In asiatischen Gesellschaften scheinen Demut, Aufrichtigkeit und Beharrlichkeit der effektivste Ansatz dafür zu sein.

Was mich befähigt hat, über die Jahre glücklich als Nonne zu leben war, dass ich gelernt habe, meine Einstellung zu schwierigen Situationen zu verändern. Wenn ich kein Geld hatte habe ich über Entsagung reflektiert. Wenn ich auf Hindernisse traf habe ich über reifendes Karma nachgedacht. Wenn ich krank war habe ich mich mit den Vier Edlen Wahrheiten beschäftigt. Wenn ich mich unzureichend fühlte habe ich über die Buddha-Natur nachgedacht, das Potential jeden Lebewesens um Erleuchtung zu verwirklichen. Gebete halfen mir, Demut zu entwickeln während Demütigung mir zu innerer Stärke verhalf.

Mein Lehrer erinnerte mich daran, über die Einzigartigkeit der Ordination zu reflektieren und mich immerzu an meinem großen Glück zu erfreuen. Um eine kontinuierliche Praxis zu bewahren und auftauchende Schwierigkeiten im Leben als Nonne oder Mönch zu bewältigen ist eine Lektion der Buddha-Lehre am hilfreichsten: Bodhichitta zu erzeugen — den Wunsch, dass alle Lebewesen erleuchtet werden mögen. Mit Ernsthaftigkeit und einer reinen Motivation kann man alle Schwierigkeiten überwinden und sogar vorteilhaft für die Praxis genutzt werden. Wenn Du noch weitere Fragen hast zögere nicht, mir nochmal zu schreiben.

Glückseligkeit im Dharma

Karma Lekshe Tsomo

Englische Version: A garland of advice

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