Buddhistische Nonne und Mönch sein im Westen

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In dem Heft Vorbereitung auf die Ordination findet sich eine Reihe von Artikeln, zusammengestellt von der Ehrenwerten Thubten Chodron, die zur kostenlosen Verteilung gedacht sind.

Buddhismus zu praktizieren ist eine Kunst. Mönche und Nonnen sind Künstler und die Materialien, welche sie benutzen, sind ihre fünf Aggregate: Ihr Körper, ihre Empfindungen, Urteilsfähigkeit, mentale Faktoren sowie ihr Bewusstsein. Die Kunst dabei ist, Harmonie und Frieden in die eigenen fünf Aggregate zu bringen, so dass man sich selbst und andere glücklich machen kann. In der Kunst findet man Wahrheit, Schönheit und Güte. Gute Nonnen und Mönche sind insofern schön, als dass sie Güte und Aufrichtigkeit verkörpern. Aufgrund Ihrer Achtsamkeit sind die erfolgreich in ihrer Praxis. Achtsamkeit führt zu Erkenntnis, Verständnis, Mitgefühl und Liebe. Wir praktizieren Achtsamkeit, um unsere Konzentration zu erhöhen, was uns dazu verhilft, tief in uns hineinsehen zu können. Dann entsteht Liebe auf eine natürliche Art und Weise und man ist in der Lage zu verstehen, zu akzeptieren und mitfühlend zu sein. Das Beste, was ein Mönch oder eine Nonne tun kann, ist dieses Verständnis und diese Liebe weiterzugeben.

Das Gatha, ein Vers, den der Ordinierte rezitiert bevor er oder sie die höhere Robe der Novizen Ordination erhält, lautet: “Wie erstaunlich die Robe eines Ordinierten doch ist! Sie ist das Feld aller Verdienste. Ich verneige mich davor, sie heute zu erhalten und gelobe sie in diesem und in künftigen Leben zu tragen.” Da man als Nonne oder Mönch glücklich gewesen ist, wünscht man sich die Robe in jedem Leben zu tragen.

Glück ist die Abwesenheit von Unzufriedenheit. Glück ist nicht abhängig von äußeren Umständen. Durch die Verwandlung von Unzufriedenheit entsteht und erblüht wahres Glück. Wenn wir Achtsamkeit praktizieren, erlauben wir dem Glück wie süßes Wasser aus der Erde hervorzuquellen. Üblicherweise sind wir auf der Suche nach Glück, indem wir die Unzufriedenheit in uns ignorieren. Wir fühlen uns nicht wohl mit dieser Unzufriedenheit und verschleiern sie, indem wir die ersehnten Objekte unserer sechs Sinne benutzen, um unser Verlangen zu befriedigen. Die Augen suchen nach schönen Formen, die Ohren suchen nach wohlklingenden Klängen, die Nase sucht nach angenehmen Gerüchen, die Zunge sucht nach besonderen Geschmackserlebnissen und wir sehnen uns nach Körperkontakt durch sexuelle Aktivitäten, um unser Leiden zu vergessen. Wir denken, dass Sinnesfreuden uns helfen können und uns glücklich machen. Wir bemühen uns auf diese Weise unser Leiden zu vergessen. Wir essen zum Beispiel ohne hungrig zu sein und können einfach nicht damit aufhören. Wahre Freude bedeutet Frieden und Harmonie, während falsche Freude uns krank macht. Sich den fünf sinnlichen Begierden wie Geld und materiellen Besitztümern sowie Ruhm, Sex, Essen und Schlaf hinzugeben macht uns krank. Letztendlich kann kein sinnliches Verlangen unser Leiden vertuschen. Es wässert lediglich die Samen von weiterem Leiden. Achtsamkeitspraxis hingegen ist ein Weg, um Unzufriedenheit und Leiden zu transformieren.

Mönche und Nonnen suchen nicht nach Glück außerhalb ihrer selbst. Sie heißen ihr Unbehagen willkommen und verwandeln es. Sie wollen zu jeder Zeit üben und in einem Tempel oder Übungszentrum in Gemeinschaft mit anderen Praktizierenden leben. Wenn sie beginnen, ihren Geist zu trainieren, bringt es ihnen und anderen Frieden und Harmonie. Ihr Geist muss jeden Tag genährt werden. Bodhicitta ist der Geist der Erleuchtung, des Erwachens, des Verständnisses und der Liebe. Mit Bodhicitta praktiziert man für jedes fühlende Wesen. Man möchte den Geist der Einsicht +nhren und das Leiden mindern. Das ist der Geist eines Bodhisattva. Man widmet sein ganzes Leben dieser Praxis.

Gelübde sind die Verkörperung eines achtsamen Lebens. Man hält sich an die Gelübde mit einem Geist der Einsicht und der Liebe. Man versteht, dass man Unglück und Leid verursacht, wenn man die Gelübde bricht. Das Versprechen, sich an die Gelübde zu halten, wird aus freiem Willen akzeptiert und nicht aufgezwungen. Ein Mönch oder eine Nonne, welche Freude, Liebe, Mitgefühl und Verständnis im Herzen hat, kann viel für die Welt tun. Ein glücklicher Mensch kann für die Welt von großem Nutzen sein. Deswegen müssen wir uns gewissenhaft an die Gelübde halten.

Ist es möglich als Buddhistische Nonne oder Mönch in einer westlich geprägten Kultur glücklich zu werden? Wie können wir praktizieren, so dass wir in Harmonie mit dieser Kultur leben und nicht unter ihren negativen Aspekten leiden? Wie können eine buddhistische Nonne oder ein buddhistischer Mönch in der Gesellschaft ihren Platz finden, so dass sie Frieden und Freude ausstrahlen können? Es ist definitiv möglich. Es gibt eine 2500-jährige Geschichte buddhistischer Anweisungen aus Asien. Einige der asiatischen Praktiken können für uns relevant sein. Wir müssen nur herausfinden, was wir von ihnen, genauso wie von den Erfahrungen der katholischen Mönche und Nonnen in westlichen Ländern lernen können.

Zu Beginn, wenn man Nonne oder Mönch wird, mag eine Zeit kommen, in der es einem peinlich ist, dass Laien-Praktizierende einem gegenüber Respekt entgegenbringen. Wenn man die Robe trägt, symbolisiert man Buddha, Dharma und Sangha, und wenn Leute einem Respekt zeigen, so sollte man in diesem Moment achtsam atmen und sich daran erinnern, dass die Leute diesen Respekt gegenüber Buddha, Dharma und Sangha zeigen, welche durch die Robe symbolisiert wird und nicht gegenüber einem selbst als Individuum. Wenn man dadurch arrogant wird, so wird man sein Leben als Nonne oder Mönch ruinieren.

Es ist wichtig, dass man seine Robe trägt, um daran erinnert zu werden, dass man eine Nonne bzw. ein Mönch ist. Viele Leute freuen sich, wenn sie die monastische Robe sehen. Der Samen der Hingabe ist immer noch lebendig. Wenn jemand einem Mönch oder einer Nonne gegenüber Respekt zeigt, sollte der Ordinierte sein Bestes geben dieser Person zu helfen, indem er friedvoll in sich ruhend ein- und ausatmet. Ein Ordinierter sollte wissen wie man durch achtsames Ein- und Ausatmen Freude und Stabilität in seinen Geist bringt und diese in sich spürt. Innerer Frieden sowie Konzentration, Freude und Stabilität sind mit einem Atemzug erreichbar. Der Laien-Praktizierende empfängt diesen Frieden sowie Stabilität und Vertrauen durch den Kontakt mit den Drei Juwelen. Man sollte sein Bestes geben, um zu praktizieren. Das Wichtigste in diesem Moment ist, achtsam zu sein. In dem Sutra über das Glück sagt Buddha, dass es das größte Glück sei, die Gelegenheit zu haben, regelmäßig mit Mönchen und Nonnen in Kontakt zu sein.

Laien-Praktizierende und Ordinierte sollten einander gegenseitig beim Praktizieren helfen. Die Praxis von Laien-Praktizierenden hat einen Einfluss auf Ordinierte. Ordinierte sind wie große Brüder und Schwestern gegenüber Laien-Praktizierenden und bieten ihnen eine große Unterstützung. Die buddhistische Gemeinschaft setzt sich aus Mönchen und Nonnen sowie weiblichen und männlichen Laien-Praktizierenden zusammen. Wir brauchen alle vier Bereiche der Gemeinschaft, einschließlich der Kinder, damit diese vollständig ist.

Englische Version: Being a monastic in the West

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